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Der zweite Anlauf - Vorstellung des FC Kray

Artikel, 30.07.2014

Unsere Vorstellungsrunde geht weiter. Nachdem wir euch zuletzt schon den FC Hennef vorgestellt hatten, konzentrieren wir uns diesmal mit dem FC Kray auf einen alten Bekannten. Nachdem die Essener uns vor einigen Jahren den Aufstieg in die Regionalliga vor der Nase weg geschnappt hatten, ist bei dem kleinen Vorstadtverein einiges passiert. Nach dem direkten Wiederabstieg und zahlreichen Rücktritten versuchen die Krayer sich nun an zweites mal an der vierten Liga. Was man dabei von ihnen erwarten kann, lest ihr hier.

1909 als SV Kray 09 gegründet, entstand 1987 durch eine Fusion mit dem VfL Kray der heutige Verein mit dem Namen FC Kray 09/31. Lange Zeit fand der kleine Stadtteilverein in Essen wenig Beachtung, größter Erfolg war sicherlich 1996 der Gewinn des Stadtpokals gegen den großen Gegner Rot-Weiss Essen. Sportlich pendelte man lange zwischen Landesliga und Verbandsliga, bevor die Reform der Regionalligen eine einmalige Chance bot. Um die beiden zusätzlichen Regionalliga-Staffeln zu füllen, durften die Meister der Verbandsligen gegen die Plätze vier bis sieben der NRW-Liga eine Relegationsrunde spielen. Der Rest ist bittere Geschichte: Kray wurde dem KFC zugelost und setzte sich in zwei Spielen mit 1:0 und 2:0 durch. Die graue Maus aus Essen stand auf einen Schlag in der Regionalliga und hatte damit mit Schwarz-Weiß Essen die bisherige Nummer zwei der Stadt überholt. Was wie ein Traum begann, zog dann aber schnell zahlreiche Probleme nach sich, denn weder die Mannschaft noch das Umfeld waren wirklich bereit für die neuen Herausforderungen. Vor allem die vereinseigene Platzanlage sorgte von Beginn an für viel Ärger - denn bei der sogenannten Kray-Arena handelte es sich nur um einen Kunstrasenplatz, ohne ordentliche Tribünen, Flutlicht oder die Möglichkeit zur Fantrennung. Schon für das Relegationsspiel gegen den KFC hatte man deswegen in den Uhlenkrug umziehen müssen. "Es wäre ein Unding, wenn man dem FC Kray seine sportliche Heimat nehmen würde,“ polterte Präsident Günter Oberholz dennoch in der Presse - der FC Kray wollte unbedingt auf dieser Anlage spielen. Die Stadt Essen zeigte sich hilfsbereit und spendierte trotz leerer Kassen 150.000€ für die nötigen Baumaßnahmen. Da zunächst dennoch alle Heimspiele unabhängig vom Fanandrang in andere Stadien verlegt werden mussten, beschwerte sich der Verein beim Sportgericht über die in ihren Augen unfaire Behandlung. Weiteres Ungemacht drohte jedoch bald durch die Anwohner rund um die Kray-Arena, denn die meldeten die Befürchtung an, durch die Regionalligaspiele könnte zu viel Lärm entstehen. Die Stadt Essen sprang erneut in die Bresche und spendierte 170.000€ für eine 170 Meter lange Lärmschutzwand. Ende Oktober 2012 konnte dann endlich das erste Heimspiel in der Kray-Arena ausgetragen werden. Sportlich half das dem Verein jedoch nicht weiter - nach einem ganz ordentlichen Start ging es für den FC Kray schnell in Richtung Tabellenkeller, die Rückrunde verbrachte man fast komplett auf dem letzten Tabellenplatz. Der Gang zurück in die Oberliga war die logische Folge. Dort zeigte die Mannschaft dann das genaue Gegenteil des vorherigen Saisonverlaufs: Nach eines sehr bescheidenen Anfang (nur ein Punkt aus den ersten beiden Spielen) ging es im Verlauf der Saison immer weiter nach oben. Fast die gesamte Rückrunde lag der FC Kray auf dem zweiten Tabellenplatz. Trotz des sportlichen Erfolgs wurde es wieder einmal eine unruhige Saison in Essen-Kray. Der Abstand auf den Tabellenführer SV Hönnepel-Niedermörmter und damit auf den Aufstieg sorgte für Ärger zwischen Fans, Verantwortlichen und Spielern. Vor allem Trainer Christoph Klöpper stand in der Kritik und warf nach vereinsinternen Streitereien und Beleidigungen gegen seine Person entnervt das Handtuch. Ihm folgten der Co-Trainer, die Athletiktrainerin und gleich drei Spieler, die ebenfalls ihre Verträge auflösten. Im Verlauf der restlichen Saison gab es noch weitere Rücktritte - Jugendleiter, Pressesprecher, Marketingleiter - wohl eine deutliche Kritik an der Vereinsführung unter Präsident Oberholz. Doch auch unter dem neuen Cheftrainer Karsten Hutwelker (der zum Saisonende seinen Vertrag ebenfalls wieder auflöste) führte kein Weg am Tabellenführer vorbei. Am Ende sicherte sich der SV Hönnepel-Niedermörmter mit sechs Punkten Vorsprung den Meistertitel in der Oberliga Niederrhein. Hätte Hönnepel die Aufstiegs-Option gezogen, hätte der FC Kray somit ein weiteres Jahr in der Oberliga dran hängen müssen. Da der SV Hö-Nie jedoch nicht über die notwendige Jugendabteilung verfügte, legte Kray beim Verband Einspruch gegen die Lizenzerteilung ein und sammelte damit wieder mal keine Sympatiepunkte. Am Ende verzichtete dann jedoch der SV Hönnepel-Niedermörmter freiwillig auf den Aufstieg, der FC Kray kehrte also doch noch kampflos in die Regionalliga zurück. In der neuen Saison steht in Kray ein Bekannter aus Uerdinger Sicht an der Seitenlinie. Vom Landesligisten DJK Arminia Klosterhardt wechselt Michael Lorenz auf die Krayer Trainerbank. Dieser spielte in der Saison 98/99 bereits für den KFC in der 2. Bundesliga. Nachdem er nur eine Saison später wieder ging, kehrte er für die Saison 2009/10 an die Grotenburg zurück, als der KFC noch in der sechsten Liga spielte. Beim Auswärtsspiel gegen den TV Jahn Hiesfeld wurde er dann aber so übel umgegrätscht, dass er sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog und erst nach langer Behandlungspause mit dem Krankenwagen abtransportiert werden konnte. Die schwere Verletzung bedeutet leider auch das Ende der aktiven Karriere von Lorenz, welcher dann den Einstieg in das Trainergeschäft suchte. Aber auch im Kader des FC Kray wurde fröhlich gewechselt, die Transferliste gehört mit zu den längsten der Liga. Namhafteste Verstärkung ist sicherlich Innenverteidiger Vincent Wagner von Rot-Weiss Essen, der dort in der Hinrunde in fast jedem Spiel gesetzt war (sechs Spiele sogar als Kapitän), bevor ihn eine Schulterverletzung zu einer längeren Pause zwang. Auch im Tor steht künftig ein Rot-Weisser, Philipp Kunz stand vergangene Saison immerhin bei dreizehn Regionalligaspielen im RWE-Tor. Weitere Verpflichtungen aus den Regionalligen sind Jan Klauke (Innenverteidiger, Sportfreunde Lotte), Halil Hajtic (Rechtsaußen, 1. FC Kaiserslautern II), Christian Mengert (Defensives Mittelfeld, VfL Bochum II) und Jörn Zimmermann (Rechtsverteidiger, Fortuna Düsseldorf II), die aber bis auf Mengert bei ihren bisherigen Vereinen vor allem auf der Bank saßen. Aufgefüllt wird der Kader mit allerhand Spielern aus der Oberliga und der eigenen Jugend. Herauszuheben ist hier noch Mittelstürmer Eric Yakhem, der aus Wuppertal zum FC Kray wechselte. Denn dieser spielte in der Saison 2009/2010 für die U19 des KFC. Eine solche Grunderneuerung des Kaders bleibt natürlich nicht ohne Folgen, der FC Kray kann sich dadurch nicht mehr auf die eingespielte Mannschaft der letzten Saison stützen. "Wir befinden uns trotz harter Arbeit auf dem Platz immer noch in der Kennlern- und Findungsphase“, lässt sich der neue Trainer dann auch auf der Vereinsseite zitieren. In der Vorbereitung konnte der FC Kray die meisten seiner Spiele für sich entscheiden. Dabei handelte es sich bei den Gegnern aber vor allem um Landes- und Bezirksligisten aus der Umgebung, die Ergebnisse sagen also nicht viel aus. Gegen Regionalligisten wurde überhaupt nicht getestet, bei den beiden Oberligisten gab es zudem ein 1:1 gegen die Sportfreunde Baumberg. Auch die 1:2-Nierlage gegen den Landesligisten 1. FC Wülfrath spricht nicht gerade für eine gute Form zu Saisonbeginn. "Aber das geile und spannende an diesem Projekt Klassenerhalt ist, dass wenn ein Fußballspiel angepfiffen wird, alles zweitrangig ist und es immer bei 0:0 losgeht. Dann entscheiden oft Herz, Leidenschaft, Begeisterung und Teamgeist," gibt sich Lorenz dennoch kämpferisch. Fraglich ist, wo der FC Kray in der kommenden Saison sein Heimspiel gegen den KFC austragen wird, denn rund um die Kray-Arena herrscht weiterhin Chaos. Trotz der Investitionen in den Lärmschutz klagen auch weiterhin Anwohner gegen die Lärmbelästigung. In der Folge gibt es auf dem Kunstrasen ein "Jubelverbot" - Trommeln und Lautsprecherdurchsagen sind nicht erlaubt. Auch die neue Haupttribüne mit 450 Plätzen sorgt für Ärger: Da das fertige Bauwerk von den ursprünglichen Plänen abweicht, wurde die Baugenehmigung rückwirkend entzogen. Das hat zur Folge, dass die nagelneuen Sitzplätze bei Spielen nicht genutzt werden dürfen - und eine neue Genehmigung hängt auch von der Lärmschutz-Klage ab. Sollte sich hier nicht bald eine Lösung finden, stehen dem FC Kray wieder viele Spiele in einem Ausweichstadion wie dem Uhlenkrug bevor. Korrektur: Der Verband hat unter anderem das Spiel gegen uns inzwischen bereits als Risikospiel deklariert. Unabhängig vom Zustand der Kray-Arena wird das Auswärtsspiel also in jedem Fall wieder im Uhlenkrug ausgetragen werden.