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Mach’s noch einmal, Mikhail!

Artikel, 01.06.2018

Die Nachricht hat gesessen. Gerade war der Jubel verstimmt, die Feierei vorbei, das letzte Aufstiegsbier verdaut, schon ist wieder alles anders. Am Ende könnte es ein Formfehler sein, der unseren Verein, die Fans, die Mannschaft und Vereinsführung um den verdienten und hart erkämpften Aufstieg in die dritte Liga bringt.

Machen wir uns nichts vor: die Verhandlung am Montag ist vermutlich nur Makulatur. Der DFB ist nicht gerade bekannt dafür, in Sachen Fristen ein Auge zuzudrücken. Wäre das Geld pünktlich auf dem Verbandskonto angekommen, hätte es die Meldung nie gegeben. Und wenn es auch nur eine Sekunde zu spät gutgeschrieben wurde, wird der genaue Grund dem DFB egal sein. Ob der Fehler dann beim Verein oder der Bank lag interessiert die Bürokraten in Frankfurt nicht. Frist verpasst, Lizenz nicht erteilt, der nächste bitte.

Klar, einen letzten Funken Hoffnung muss man sich als Fan bis Montag noch bewahren, doch mit großer Wahrscheinlichkeit steigen an unserer Stelle die Mannheimer auf, die mit Angriffen auf unsere Busse und dem absichtlich herbeigeführten Spielabbruch gerade gezeigt haben, aus welcher Kinderstube sie stammen. Mit Sport hat das nichts mehr zu tun.

Wir stehen dafür in ein paar Tagen statt in der dritten Liga wohl nur vor einem großem, blau-rotem Scherbenhaufen.

Aber wenn uns die letzten 20 Jahre etwas gelehrt haben, dann das: Scherben aufkehren können wir! An katastrophalen Rückschlägen mangelt es in unserer Vereinshistorie nun wirklich nicht, und wir sind immer wieder aufgestanden. Da braucht man gar nicht die Themen Bayer, Insolvenz und Zwangsabstieg heraus kramen, schon unser erster Aufstieg in die Regionalliga wurde uns gleich am ersten Spieltag wieder durch einen selbstverschuldeten Punktabzug madig gemacht.

Ja, die letzten zwei Jahre waren verdammt geil, und die Fallhöhe dadurch um so größer. Es schmerzt mehr als alle Rückschläge unter Lakis oder die fast in Vergessenheit geratenen Insolvenzen. Aber auch wenn es aktuell hart ist, sollten wir daraus auch Hoffnung ziehen. Denn wir haben bewiesen, dass wir es sportlich in den Profifußball zurück schaffen können.

Wir sind noch immer im Zweijahresplan, wir haben noch immer eine geile Mannschaft und auch ansonsten steht der Verein trotz des Rückschlags heute besser da als in den letzten Jahren.

Wichtig ist, dass die Fans jetzt die Ruhe bewahren. Frust und Verärgerung sind menschlich und verständlich, dürfen aber nicht dazu führen, den eigenen Verein zu verteufeln. Selbst wenn der Fehler am Ende bei der Vereinsführung lag - die gleiche Vereinsführung hat uns überhaupt erst dahin gebracht, von der dritten Liga träumen zu können.

Ohne Mikhail Ponomarev wären wir heute wohl froh, überhaupt noch in der Oberliga zu spielen.

Der Aufstieg ist auch im zweiten Anlauf machbar, der wieder einmal angekratzte Ruf kann mit weiterhin guter Arbeit auch wieder repariert werden. Hier jetzt aber die Leute zu beschimpfen und vom Hof zu jagen, die dem KFC Uerdingen nach Jahren der Tristesse neues Leben eingehaucht haben, kann nicht im Interesse der Fans sein.

Natürlich muss Ponomarev aber im Fall des Nichtaufstiegs erst mal weiter machen. Das Statement auf der Webseite stellt genau das in Frage, wurde aber offensichtlich mit Frust im Bauch verfasst. Wir haben gesehen, dass das gemeinsame Ziel Profifußball erreichbar ist. Jetzt hinzuschmeissen und die letzten Jahre und das investierte Kapital einfach in den Wind zu schreiben, ist mit Sicherheit auch nicht im Interesse unseres Präsidenten.

Deswegen ein Appell an unseren Präsidenten: Rückschläge gehören zum Leben und zum Sport dazu. So kurz vor der Ziellinie ist Aufgeben aber keine Option. Es hilft nur, aus den Fehlern zu lernen und es in der kommenden Saison besser zu machen - dieses mal immerhin ohne Relegation. Lass uns den gemeinsam eingeschlagenen Weg weiter gehen und diesen Verein wieder dahin bringen, wo er hin gehört. Noch ein Jahr Regionalliga bringt uns nicht um, dafür wird die nächste Feier umso geiler.

Mach’s noch einmal, Mikhail - die Fans des KFC Uerdingen stehen weiter hinter Dir!