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Traditionsduell im Tabellenkeller - Am Dienstag gegen Alemannia Aachen

Artikel, 08.11.2013

Am kommenden Dienstag spielt unser KFC gegen Alemannia Aachen - mit Sicherheit eines der Spiele, auf die sich die KFC-Fans vor Saisonbeginn am meisten gefreut haben. Die Aachener spielten immerhin vor zwei Jahren noch in der 2. Bundesliga, waren zwischenzeitlich auch im Fußballoberhaus und selbst im UEFA-Pokal vertreten, und sind somit einer der Vereine mit großen Namen in der diesjährigen Regionalliga. Doch es steht derzeit nicht gut um die Mannschaft aus der Kaiserstadt und auch in Uerdingen ist nicht gerade Feierstimmung angesagt. Das mitreissende Traditionsduell, das sich so viele erhofft hatten, wird wohl eher ausbleiben. Stattdessen erwartet uns ein Spiel zweier Vereine im Tabellenkeller an einem fanfeindlichen Dienstagabend - Regionalligaalltag eben.

Dass es in Aachen derzeit so düster aussieht, hat nicht nur sportliche sondern vor allem auch finanzielle Gründe. Den Sturz des traditionsreichen Vereins konnte man in der vergangenen Saison live in der Presse miterleben: Wachsender Schuldenberg, Insolvenz, Zwangsabstieg - Endstation Regionalliga, zum ersten Mal nur noch viertklassig. Den älteren KFC-Fans dürfte diese Leidensgeschichte nur zu gut aus eigener Erfahrung bekannt sein. Doch während in Uerdingen der Rückzug des Sponsors Bayer der Anfang vom Fast-Ende war, sind die Probleme in Aachen hausgemacht. Als Teil einer viel zu optimistischen Zukunftsplanung wurde 2009 für 60 Millionen Euro das neue Tivoli-Stadion gebaut, was den Verein in den folgenden Jahren finanziell schnell ruinierte. Insgeheim haben wohl viele Aachener Fans und auch die Verantwortlichen gehofft, bald in den Profifußball zurück zu kehren, oder zumindest in der Regionalliga oben mitzuspielen. Doch mit nur fünf Siegen aus 14 Spielen steht die stolze Alemannia derzeit nur knapp vor der Abstiegszone, der Absturz in die Mittelrheinliga scheint derzeit wahrscheinlicher als der Aufstieg in die dritte Bundesliga. Die Fans zeigen ihre Unzufriedenheit, der Zuschauerschnitt ist seit Saisonbeginn bereits beträchtlich gesunken - auch wenn er weiterhin weit über Uerdinger Verhältnissen liegt. Während der Verein bislang vor personellen Konsequenzen zurückschreckt, fordern viele Anhänger erst recht nach der Blamage im Pokal offen den Kopf des Trainers. Dass nach dem letzten Spiel der Torhüter von einem Zuschauer geschlagen wurde, war nicht nur gefundenes Fressen für die Presse, sondern auch ein klares Zeichen, wie blank die Nerven in Aachen derzeit liegen. [b]Sportlich durchaus machbar[/b] Für den KFC bedeuten die Probleme des Gegners in erster Linie Gutes, denn in der Tabelle und von den Ergebnissen her sind beide Mannschaften sich recht ähnlich. Gegen eine verunsicherte Mannschaft sollte es durch Spielkontrolle und im Idealfall ein frühes Tor möglich sein, die Punkte in der Grotenburg zu halten. Dabei kommt uns vor allem die Offensivschwäche der Aachener zu Gute, welche in der bisherigen Saison gerade einmal elf Treffer erzielen konnten und unsere wackelige Abwehr hoffentlich nicht zu sehr fordern werden. Gefährlichster Torschütze ist dabei der ehemalige U18-Nationalspieler Dennis Dowidat mit vier Treffern. Die KFC Fans werden vor Spielbeginn bei der Mannschaftsaufstellung mit Sicherheit besonders gut zuhören - viele hoffen, dass Trainer van der Luer nach der Niederlage in Düsseldorf Maßnahmen ergreift und den Kader entsprechend umstellt. Zuletzt waren es immer die gleichen Akteure, welche trotz teils desolater Leistungen immer wieder von Anfang an auf dem Feld standen. Das Hauptaugenmerk dürfte hierbei auf der Verteidigung liegen, welche in den vergangenen Spielen offensichtlich immer wieder überfordert war. Eine Option wäre es, im Angriff mit schnellen Spielern auf Konter zu setzen und das Mittelfeld insgesamt defensiver auszurichten. Dadurch könnten die zuletzt immer wieder auftretenden Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr geschlossen und die Verteidiger deutlich entlastet werden. [b]Sport1 überträgt live[/b] Der vor der Saison erhoffte Besucherrekord wird gegen Aachen aller Vorraussicht nach ausbleiben. Grund dafür hat neben der schlechten sportlichen Situation beider Mannschaften und dem garstigen Novemberwetter vor allem die erneute Übertragung der Partie auf dem Fernsehsender Sport1. Vor allem die Fans aus Aachen werden an einem Dienstagabend sicherlich einen Abend vor dem Fernseher der doch beträchtlichen Anfahrt nach Krefeld vorziehen. Ohnehin ist die Euphorie über diese Übertragungen bei den meisten Vereinen inzwischen etwas erloschen - Fortuna Köln lehnte die Anfrage für das Derby gegen die Viktoria sogar ab, um mehr Fans ins Stadion zu locken. Auch der KFC rechnet dadurch offensichtlich mit weniger Einnahmen und versucht, dies durch einen Spieltagsponsor wieder auszugleichen, bislang aber scheinbar ohne Erfolg. Dennoch geht es auch im Spiel gegen Aachen in erster Linie um drei Punkte, und die würden dem KFC aktuell sehr gut zu Gesicht stehen. Deswegen sollte jeder, dessen Herz am KFC hängt, trotz Regen und Liveübertragung am Dienstag den Weg in die Burg finden und die Mannschaft unterstützen. Wer von den Spielern vollen Einsatz erwartet, der sollte diesen auch selbst zeigen und nicht nur dann ins Stadion gehen, wenn der Verein gerade auf der Erfolgswelle reitet.