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Was läuft schief? - Fünf Gründe für den Abstiegsplatz

Artikel, 18.11.2013

Aktuell ist guter Rat mal wieder teuer. Der KFC steht ein Spiel vor dem Ende der Hinrunde mit gerade einmal 15 Punkten auf einem Abstiegsplatz. Die 40 bisher kassierten Gegentore sprechen eine ebenso deutliche Sprache wie die ratlosen Gesichter der Spieler am Samstag. Nicht nur die Fans fürchten, dass die Erfolge der vergangenen Jahre in dieser Saison wieder zunichte gemacht werden. Gedanklich sieht sich der eine oder andere in ein paar Monaten schon wieder über die Dörfer reisen. Dabei sind die größten Probleme der Mannschaft eigentlich durchaus lösbar.

Als Fan hat man es bekanntlich gut - man kann von der Tribüne aus seine Meinung in die Welt hinaus schreien und allen erklären, wie es besser geht. Anders als bei den Verantwortlichen auf dem Feld kommt man dabei im Grunde nie in die Situation, dass man diesen Worten auch Taten folgen lassen muss und an den Ergebnissen gemessen wird. Deswegen sind solche Meinungsäußerungen immer mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem folgt hier nun die Sichtweise eines Fans - eine Liste der größten Probleme unserer Mannschaft, wie ich sie sehe. Verkorkste Kaderplanung Das erste Problem ist auch gleich das, welches am schwersten (oder teuersten) zu beheben ist. Obwohl man dank des früh feststehenden Aufstieg über Monate hinweg an dem neuen Kader feilen konnte, gleicht dieser einem Flickenteppich. Dabei liegt es nicht nur an der übersehenen U23-Regel, welche immer noch schmerzlich nachwirkt, dass trotz des ausreichend großen Kaders keine wirklichen Alternativen vorhanden sind. In der Aufstiegseuphorie wurde einfach mit zu vielen Spielern verlängert, welche in der Regionalliga schlicht und ergreifend nicht mithalten können. Diese blockieren nun Plätze und finanzielle Mittel, welche besser anders besetzt werden könnten. Und auch die eigentlich vielversprechenden Neuverpflichtungen waren zum großen Teil bislang Enttäuschungen. Dabei muss man aber bedenken, dass einige von ihnen auch oft in Positionen aushelfen müssen, welche ihnen eigentlich nicht liegen. Dass beispielsweise Assimiou Touré in der Innenverteidigung keine gute Figur macht, hätte man eigentlich schon vor seiner Verpflichtung wissen müssen. Dass er trotzdem mehrfach dort zum Einsatz kam, liegt ebenfalls daran, dass nicht die richtigen Spieler für die benötigten Positionen verpflichtet wurden. Hier kann der Verein wohl erst in der Winterpause ausbessern. Und da kaum ein Spieler freiwillig seinen Vertrag auflösen wird, hängt der Umfang der Neuverpflichtungen mal wieder vor allem von unserem Präsidenten ab. Eigenwillige Aufstellung Dass unser Trainer modernen Fußball spielen möchte, ist ja im Grunde gar nichts schlechtes. Allerdings muss man sich fragen, ob ein offensives 4-3-3-System einem Aufsteiger wirklich so gut zu Gesicht steht. In der Oberliga war es vollkommen richtig, gegen die defensiv stehenden Gegner eine solche Aufstellung zu wählen. Hier musste Uerdingen meist das Spiel machen und hatte hinten auch nicht viel zu befürchten. Doch in der Regionalliga ist die Ausgangslage eine ganz andere. Die Gegner sind uns hier in vielen Belangen überlegen und lassen sich nicht einfach so in der eigenen Hälfte binden. Die offensive Spielweise führt deswegen vor allem dazu, dass dem Gegner das Kontern leicht fällt. Ohnehin muss man bei der Wahl des Systems auch immer das eigene Spielermaterial im Auge haben. Für jedes System braucht es bestimmte Spielertypen, welche die jeweilige Aufgabenverteilung auch umsetzen können. Ein System, welches auf einem schnellen und flexiblen Mittelfeld basiert, ist einfach nichts für gemächlichere Spieler wie Issa Issa oder Patrick Ellguth. Hier wäre der KFC gut beraten, sich ein paar Sachen bei den Gegnern in der Oberliga abzuschauen. Eine defensivere Spielanlage mag nicht ganz so schön aussehen, kann mit gut gespielten Kontern aber durchaus zum Erfolg führen. Und die schnellen Offensivkräfte dafür haben wir auf jeden Fall. Falsches Grundverständnis Ein guter Spieler kann jede Situation spielerisch lösen - so scheint zumindest Eric van der Luer zu denken. Offensichtlich sind er und die Spieler ein wenig in der Oberliga hängen geblieben, wo technisch limitierte Gegenspieler mit ein paar Tricks und Doppelpässen überwunden werden konnten. Doch in der Regionalliga gibt es diese Dominanz einfach nicht mehr. Die zahllosen Ballverluste und Fehlpässe im Mittelfeld sprechen hier eine mehr als deutliche Sprache. Und auch in der Defensive agieren unsere Spieler inzwischen zu zaghaft und lassen sich viel zu leicht umspielen. Zeitweise machen unsere Verteidiger eher den Eindruck von unbeteiligten Zuschauern, welche einfach nur neben den Gegner hertraben. Viel zu selten setzt hier mal jemand seinen Körper ein, drängt einen Spieler ab oder grätscht einfach dazwischen. Ein solches Einsteigen mag wenig filigran sein, als Abstiegskandidat muss man aber eben einfach alle Mittel ausnutzen, wenn man die Klasse halten will. Fehlende Kondition Ein weiterer Griff in die Phrasenkiste des Fußballs bringt dieses Juwel hervor: "Um die Meisterschaft spielt man, um den Klassenerhalt kämpft man". Wenn man spielerisch mit dem Gegner nicht mithalten kann, hilft es eben nur, diesen in Grund und Boden zu rennen. Da muss dann jeder Spieler 90 Minuten Laufbereitschaft und vollen Körpereinsatz zeigen. Unsere Mannschaft bricht derzeit gegen Spielende aber gerne mal ein, insbesondere wenn (wie gegen Köln oder in Essen) eine knappe Führung verteidigt werden soll. Dass Eric van der Luer kein Fan von ausgiebigem Konditionstraining ist, hat er in der Vergangenheit bereits klar zu Protokoll gegeben. Doch wenn nach Oberhausen als Grund für die Niederlage schon die Erschöpfung nach zwei Spielen innerhalb von fünf Tagen herhalten muss, läuft offensichtlich etwas schief. Hier muss in der Wintervorbereitung dringend nachgebessert werden, denn im Frühjahr drohen je nach Wetterlage mit Sicherheit wieder englische Wochen. Katastrophale Standards Dieses Thema ist in Uerdingen ja nichts neues - schon seit Jahren laden vor allem unsere Eckbälle immer wieder zu Hohn und Spott ein. So schlimm wie in dieser Saison war es aber wohl noch nie. Ecken landen so gut wie nie in der Nähe des Fünfmeterraums und im Kopfballduell ziehen unsere Spieler grundsätzlich den Kürzeren. Ähnlich ratlos sind die Spieler bei Freistößen, welche meist entweder in der Mauer oder weit neben dem Tor landen. Es ist offensichtlich, dass hier keinerlei Absprachen oder eingespielte Varianten existieren. Wer des öfteren mal beim Training vorbei schaut, der weiß auch, dass Standards so gut wie nie geübt werden. Dabei sollten wir doch gerade aus den Jahren in der Oberliga gelernt haben, wie wichtig Standards sein können. Nicht nur einmal hat es eine spielerisch komplett unterlegene Mannschaft geschafft, durch die übliche Mauertaktik und ein glückliches Tor per Freistoß Punkte aus der Grotenburg zu entführen. Nun da wir zum ersten Mal seit langem wieder in der Rolle des Underdogs sind, sollte man daraus seine Lehren ziehen. Und jetzt? So düster es momentan in Uerdingen aussieht, verloren ist noch lange nichts. Durch die Verschiebung des Pokalspiels haben wir jetzt den Luxus einer zweiwöchigen Zwischenpause. Diese muss dringend genutzt werden, um an den oben aufgezählten Punkten zu arbeiten. Es wird sicherlich nicht einfach, doch wir haben die Möglichkeit, mit Siegen in den nächsten beiden Spielen doch noch mit einem positiven Gefühl in die Winterpause zu gehen. Vor allem nach den Spielen gegen Aachen und Oberhausen forderten auch immer mehr Fans den Rauswurf des Trainers. Ob Eric van der Luer von seinen Vorstellungen abrücken und entsprechende Änderungen selbst umsetzen kann, oder ob man es vielleicht wirklich mit einem neuen Mann an der Seitenlinie versuchen sollte, kann niemand wissen. Mit Blick auf die finanzielle Lage des Vereins dürfte sich diese Frage aber ohnehin von selbst erledigen.