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Was nun, U19? - Zur Zukunft der A-Jugend

Artikel, 07.01.2014

Inzwischen ist die Entlassung von Ronny Kockel beim KFC schon fast wieder Schnee von gestern. Nach ein paar turbulenten Tagen drehen sich die Diskussionen der Fans inzwischen mehr um den neuen zweiten Vorsitzenden, die anstehende Jahreshauptversammlung und den baldigen Beginn der Rückrunde. Doch noch immer ist unklar, was mit Kockels A-Jugend passiert - die Spieler hatten angekündigt, ohne ihren Trainer nicht mehr für den KFC antreten zu wollen.

Um diese Reaktion zu verstehen, muss man sich die Situation der U19-Spieler bewusst machen. Wie eigentlich der komplette Unterbau des KFC, von der jüngsten Jugend bis zur zweiten Mannschaft, fühlte sich auch die A-Jugend bisher nicht ausreichend vom Verein unterstützt. Stattdessen wurden in Eigenregie Sponsoren gesucht, Turniere organisiert und Mannschaftsabende geplant - insbesondere eben durch den Trainer Ronny Kockel, welcher bis vor einiger Zeit ja auch noch die Geschäftsstelle des KFC organisierte. Spätestens seitdem der Konflikt zwischen ihm und der Vereinsführung in seiner Freistellung von fast allen Posten endete, fühlt sich die A-Jugend deutlich stärker mit ihrem Trainer verbunden als mit dem Verein, dessen Wappen sie trägt. Dieser Zusammenhalt dürfte auch der Grund gewesen sein, warum Kockel im vergangenen Jahr überhaupt noch auf dem Trainerposten bleiben durfte. Der Erfolg der letzten Saison gab der U19 weiter Aufschwung, der Pokalsieg und der Aufstieg in die Niederrheinliga schweißte das Team aus Mannschaft, Trainer und Betreuerstab weiter zusammen. >Als Ronny Kockel dann zum Jahreswechsel vom KFC als Trainer gekündigt wurde, äußerte sich Kapitän Marvin Schaller gegenüber der WZ auch recht deutlich: "Wir hatten gehofft, dass wir zumindest diese Saison noch mit Ronny zusammen arbeiten dürfen. Wir haben in den vergangenen Jahren mit ihm so viel aufgebaut, ohne großartige Unterstützung vom Verein zu bekommen, sondern alles in Eigenregie gemacht. Und Ronny hatte daran den größten Anteil. Wenn der Verein Ronny entlässt, werden wir kein Spiel mehr für den KFC bestreiten. Wir als Mannschaft stehen absolut hinter ihm." Seitdem herrscht weitgehend Funkstille beim KFC, keine der beiden Seiten scheint zum Einlenken bereit. Ein Treffen der Verantwortlichen mit den Spielern der A-Jugend endete gestern weitgehend ergebnislos. Trotz der Appelle von Andreas Scholten und Präsident Lakis war die U19 nicht zum Einlenken bereit. Während die Spieler weiterhin die Wiedereinstellung von Ronny Kockel fordern, befindet sich der Verein jedoch schon in Gesprächen mit potentiellen Nachfolgern. Spätestens wenn dieser gefunden ist und der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird, werden die Spieler Farbe bekennen müssen. Dass sie ihren Willen werden durchsetzen können, scheint unwahrscheinlich, das Tischtuch zwischen Kockel und der Vereinsführung ist wohl endgültig zerschnitten. Die Blöße, die einstimmige Entscheidung für die Kündigung Kockels zurückzunehmen, kann und will sich die Vereinsführung offensichtlich nicht geben. Erst recht nicht, nachdem die Jugendmannschaft ihnen mit ihrer Drohung die Pistole auf die Brust gesetzt hat. Ein Einlenken in dieser Richtung wäre zudem nicht nur eine Niederlage gegenüber der Person Kockel, es würde den Verein auch gegenüber der anderen Jugendmannschaften erpressbar machen. Das Kapitel Ronny Kockel dürfte damit beim KFC endgültig abgeschlossen sein. Wie es weiter geht, liegt vor allem daran, wer im Falle eines Rücktritts der Mannschaft am meisten zu verlieren hat - und das sind nach aktuellem Stand die Spieler selbst. Natürlich wäre es auch für den Verein schade, die gerade aufgestiegenen U19 als Aushängeschild der Jugendarbeit zu verlieren. Doch für das nächste Jahr könnte mit Teilen der B-Jugend und neuen Spielern ein neues Team aufgebaut werden, um hier wieder anzugreifen. Und auch für die Erfüllung der U23-Regel, für die in der Vergangenheit gelegentlich U19-Spieler bei der ersten Mannschaft auf der Bank saßen, wird sich eine Lösung finden. Für die A-Jugend selbst steht dabei jedoch ungleich mehr auf dem Spiel. Falls die Spieler nun wie angekündigt der Verein verlassen, droht ihnen nicht nur möglicherweise eine mehrmonatige Wechselsperre. Auch sonst dürfte es für viele von ihnen ein sportlicher Rückschritt sein, da in Krefeld und Umgebung nur wenige Vereine in der gleichen Liga spielen. Wirklich erlauben kann sich ein Jugendspieler beides nicht. Und mit Blick auf den Wechsel in den Profibereich sollte auch die Außenwirkung einer solchen Aktion bedacht werden. Welcher Verein verpflichtet schon gerne einen Spieler, welcher in der Vergangenheit Personalentscheidungen seines Vereins nicht akzeptieren wollte und stattdessen das Weite suchte? Mit Blick auf ihre Zukunft kann den Spielern eigentlich nicht daran gelegen sein, diese Aktion durchzuziehen. Auch wenn die Mannschaft aktuell noch Geschlossenheit demonstriert, dürfte dies den Jungs selbst, aber auch ihren Eltern und Berater mehr als klar sein. Es liegt nun am Verein, hier eine sinnvolle Lösung zu finden, welche die Zukunft der Mannschaft sichert und es den Spielern dennoch ermöglicht, ihr Gesicht zu wahren. Und es liegt an den A-Jugendlichen, dieses Angebot auch anzunehmen.