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Klarer Sieg in Ratingen - KFC trotzt der Panikmache

Artikel, 02.12.2012

Der KFC beendet auch sein letztes Spiel der Hinrunde erfolgreich und siegt bei Germania Ratingen 04/19 souverän mit 4:2 (1:1). Nachdem die Uerdinger sich in der ersten Halbzeit noch schwer taten, sorgte Benjamin Baltes nach der Pause mit zwei Treffern für klare Verhältnisse. Doch auch neben dem Platz gab es einen Erfolg zu verbuchen, da die Uerdinger Fans die dramatisierende Berichterstattung der vorangegangenen Tage als Unfug bloßstellten und ein friedliches Fußballfest feierten.

Selten zuvor wurde im Vorfeld eines KFC-Spiels so wenig über das Sportliche geredet und insbesondere geschrieben, wie vor der Partie in Ratingen. Grund dafür war vor allem das letzte Aufeinandertreffen der beiden Vereine gegen Ende der Aufstiegssaison 2010/2011, welches vielen KFC-Fans noch schmerzhaft in Erinnerung sein dürfe. Nachdem nach einer roten Karte für den KFC und der darauf folgenden Ratinger Führung Unruhe im Uerdinger Fanblock aufkam, nahm die Polizei dies damals zum Anlass, mit Pfefferspray, Schlagstöcken und Hunden in die Menge zu stürmen. Das folgende Chaos führte nicht nur zum Abbruch der Partie, welche später gegen den KFC gewertet wurde, sondern auch zu zahlreichen verletzten Fans. Selbst Vereinspräsident Lakis, welcher die Situation schlichten wollte, wurde durch Pfefferspray verletzt. Der Sprecher der zuständigen Kreispolizeibehörde Mettmann, Frank Sobotta, zog in den darauf folgenden Tagen den Zorn der Fans auf sich, indem er gegenüber der Presse den Uerdinger Anhängern die Schuld an der Eskalation zuschob und darüber hinaus eine Version der Geschichte erzählte, welche so gar nichts mit dem zu tun hatte, was diese an jenem Tag erlebt hatten. Und auch im Vorfeld der aktuellen Partie war es wieder Herr Sobotta, welcher die Gemüter der KFC-Anhänger erhitzte. Gegenüber der Rheinischen Post (Link) warnte dieser die Uerdinger Fans, sich im Stadion aus dem Block der "gewaltbereiten Chaoten" fern zu halten, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Auch seine weiteren Aussagen ("Wir werden mit unser Präsenz zeigen, wer das Sagen hat.") machten deutlich, dass der Kreispolizeibehörde Mettmann offenbar weder an einem Dialog mit den Fans noch an der so oft gepredigten Deeskalation gelegen war. Zu allem Überfluss lehnte die Stadt Ratingen auch noch eine Verlegung des Spiels in ein anderes Stadion ab, sodass die Partie nun an genau dem gleichen Platz stattfand, welcher 2011 von der Polizei noch als vollkommen ungeeignet für eine solche Partie bezeichnet worden war. Zahlreiche Fans, insbesondere Familien, entschlossen sich daraufhin aus Angst vor einer erneuten Überreaktion der Polizei, dem Spiel doch lieber fern zu bleiben. Wie erwartet glich dann das Ratinger Stadion vor dem Anpfiff auch eher einem Hochsicherheitstrakt als einem Fußballplatz. In den für die KFC-Fans vorgesehenen Bereichen war die Bandenwerbung abmontiert worden, stattdessen waren Wellenbrecher an das Stankett gekettet. Insgesamt 55 extra für dieses Spiel angeheuerte Ordner waren rund um das Spielfeld verteilt und kümmerten sich zusammen mit der Polizei um den Einlass, wo selbst Kleinkinder durchsucht wurden. Abgerundet wurde diese Truppenübungsatmosphäre von gleich mehreren Löschzügen der Feuerwehr und zahlreichen Sanitätern. Diese wurden kurz vor Spielbeginn dann sogar wirklich gebraucht - ein Mitarbeiter des Caterings hatte sich am Grill verbrannt und benötigte ein Pflaster. Doch auch der KFC hatte einiges unternommen, um die eigenen Fans zu schützen - vier Gäste-Ordner begleiteten die Uerdinger und versuchten, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, und zwei Juristen beobachteten im Auftrag der Ultras das Geschehen. Diese hatten auch schon während der Anreise ein deutliches Zeichen gesetzt, dass die Uerdinger keineswegs die gewaltsuchenden Chaoten sind, von denen in der Vorberichterstattung immer die Rede war. Schon auf dem Weg zum Stadion verteilten die Ultras Rosen an die Polizeibegleitung, bei welcher diese Aktion nach anfänglicher Verwirrung wohl auch gut ankam. Im Stadion verhielt sich die Ordnungsmacht dann anders als in der Zeitung angekündigt angenehm zurückhaltend - neben der obligatorischen Videoüberwachung zeigten sich nur wenige Beamte vor dem Fanblock. Scheinbar hatte man auch hier eingesehen, dass Deeskalation eben doch die bessere Marschroute ist. Nachdem dann nach einigen Diskussionen mit den Ordnern auch endlich klar war, dass Fotografen am Spielfeldrand kein Sicherheitsrisiko darstellen, konnte auch schon mit dem eigentlichen Fußballspiel begonnen werden. In der ersten Halbzeit sahen die ca. 450 anwesenden Zuschauer eine durchaus abwechslungsreiche Partie mit Chancen für beide Seite. Trainer Eric van der Luer schickte gegen den selbsternannten Uerdingen-Jäger Ratingen die gleiche Startelf wie gegen Kapellen-Erft auf das Feld. Nachdem KFC-Torhüter Sascha Samulewicz ein erstes Mal eingreifen musste, hatte in der 14. Minuten Issa Issa bereits die Führung auf dem Fuß, als der Ratinger Schlussmann Marcel Grote eine Flanke unterlief. Doch der Uerdinger Torschützenkönig war von der Chance selbst überrascht und scheiterte ebenso wie wenige Minuten später Emrah Uzun, welcher aus kurzer Distanz am Torwart hängen blieb. In der Folge spielte dann erst einmal die Heimmannschaft besser auf und Sascha Samulewicz musste zweimal glänzend parieren. In der 41. Minute war es dann jedoch der KFC, welcher den ersten Treffer des Tages erzielen konnte. Nach einer Ecke klärte die Verteidigung den Ball genau vor die Füße des freistehenden Norman Jakubowski, welcher aus ca. 11 Metern ins kurze Eck verwandeln konnte. Doch die Freude über den ersten Treffer des Nachwuchsspielers währte nur recht kurz. Bereits zwei Minuten später bescherte eine Unachtsamkeit der Uerdinger Abwehr den Ratingern in Person von Dennis Hecht einen Alleingang auf das Tor der Gäste. Sascha Samulewicz eilte aus dem Kasten und konnte den Ball klären, woraufhin der Stürmer einfädelte und theatralisch zu Boden ging. Zum Unverständnis der Uerdinger Spieler und Fans zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkte. Dennis Hecht trat selbst an und verwandelte sicher zum 1:1 Halbzeitstand. Der KFC kam nach der Pause dann deutlich wacher aus der Kabine. Nach zwei Spielminuten und einer sehenswerten Flanke von Benjamin Baltes setzte El Houcine Bougjdi den Ball nur gegen den Pfosten, doch Kosi Saka reagierte schneller als die Ratinger Verteidiger und konnte zur erneuten Führung abstauben (47.). Der KFC war in der Folge deutlicher überlegen und wurde dafür auch belohnt - Benjamin Baltes sorgte mit zwei schönen Alleingängen in der 74. und 76. Minute für eine klare 4:1-Führung. In der 80. Minute kam die Germania aus Ratingen nach einer Ecke durch Cakiki zwar noch einmal zum Erfolg, dennoch spielte der KFC die letzten Minuten souverän herunter und konnte nach dem Schlusspfiff verdient jubeln. Ratingen zeigte sich zwar in der ersten Halbzeit als ebenbürtig, ließ dann jedoch nach der Pause zu sehr nach, um den Blau-Roten noch wirklich gefährlich werden zu können. Mit einem friedlichen Fußballfest und souveränen Sieg beschließt der KFC damit nicht nur eine unglaubliche Hinrunde ohne Niederlage, sondern gibt auch die passende Antwort auf die Berichterstattung im Vorfeld. Größter Verlierer des Abends war sicherlich der Verein Ratingen 04/19, welcher nicht nur eine 2:4-Schlappe einstecken musste, sondern aufgrund der übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen und des Fernbleibens zahlreicher Uerdinger Fans auch finanziell einen ordentlichen Verlust verkraften musste. Nach dem Spiel geisterte eine Zahl von 5.000€ durch den Raum - ein harter Schlag für einen kleinen Fünftligisten, aus Sicht vieler KFC-Fans aber vielleicht auch der verdiente Lohn für das Verhalten der Ratinger nach der Skandalpartie 2011.