Schluesselszene.net

Die West reicht nicht! - Offener Brief an die Fraktionen

Artikel, 02.10.2013

Nachdem der Sportausschuss durch die Gegenstimmen von CDU und den Grünen einen Umbau von Block P abgelehnt hatten, fällt am 10. Oktober die endgültige Entscheidung im Rat der Stadt. Um den Fraktionsmitgliedern die Situation der KFC-Fans und die Bedeutung dieses Stehplatzbereichs näher zu bringen, entschied sich KFC-Fan Christian Kramer zu einem offenen Brief an die Fraktionen, welchen wir an dieser Stelle ebenfalls veröffentlichen möchten.

Sehr geehrte Fraktionsmitglieder, am 10.10.2013 werden Sie in der Krefelder Stadtratssitzung eine Entscheidung zu einer Renovierungsmaßnahme im Grotenburg-Stadion treffen. Ich bitte Sie zuvor mein Schreiben zur Kenntnis zu nehmen. Dieses Schreiben wurde an alle Krefelder Fraktionen und die Lokalredaktionen von Westdeutscher Zeitung und Rheinischer Post versendet. Das Grotenburg-Stadion bot ursprünglich 34.500 Zuschauern Platz. 9.943 überdachte Sitzplätze, 20.072 unüberdachte Stehplätze, und 4.485 überdachte Stehplätze. Seit 2004 existiert eine Verordnung, die den Schutz der Zuschauer durch Wellenbrecher gewährleisten soll. Im Juni 2013 mussten daher alle Stehplatzblöcke des Grotenburg-Stadions gesperrt werden. Im Block K der Südtribüne - dem sog. Franz-Raschid-Block - finden sich die Fans des KFC Uerdingen, die einen sehr großen Teil zur Stimmung im Stadion beitragen. Das Grotenburg-Stadion bietet drei bzw. vier Stehplatzblöcke: Die Osttribüne (Blöcke F-I) besitzt eine Kapazität von 9.500 unüberdachten Stehplätzen und ist seit Juni 2013 vollständig gesperrt. Auf der Osttribüne standen bisher Uerdinger-Fans, die die Tribüne aufgrund der sehr guten Sicht auf das Spielfeld, dem günstigen Eintrittspreis und der Nähe zum Franz-Raschid-Block (Block K) der Südtribüne favorisierten. Die Westtribüne (Blöcke R und S) besitzt eine Kapazität von 10.572 Zuschauern und wurde im Juni 2013 vollständig gesperrt. Vor der Sperrung standen Fans des Gastvereins auf der Westtribüne. Sie wurde aufgrund des geringeren Preises gegenüber den Sitzplätzen auf der Nordtribüne von diesen Fans favorisiert. Die Westtribüne bietet den schlechtesten Blick auf das Spielfeld. Die Tribüne ist sehr weit vom Spielfeld entfernt, da zwischen ihr und dem Spielfeld noch eine breite Freifläche existiert. Zusätzlich besitzt die Westtribüne nur eine geringe Steigung und geringe Höhe, so dass ein schlechterer Blickwinkel im Vergleich zu den restlichen Tribünen entsteht. Uerdinger Fans haben diese Tribüne in Vergangenheit nicht genutzt. Der überdachte Stehplatzbereich Q bietet ca. 2.242 Zuschauer Platz und wurde im Juni 2013 vollständig gesperrt. Der Stehplatzbereich wurde vor einigen Jahren insb. von Fans der Gastvereine genutzt. Da er eine Überdachung bietet, stellt er eine Alternative zur Westtribüne dar. In jüngster Vergangenheit stellt der KFC den Gastvereinen keine Karten für diesen Block zur Verfügung. Im Stehplatz Bereich Q finden sich daher (fast) keine Zuschauer mehr ein. Dieser Stehplatzbereich kann auch in den Augen vieler Uerdinger Fans von Umbaumaßnahmen ausgeschlossen werden, da sich auf dieser Tribüne sowohl in jüngster Vergangenheit als in der Zukunft keine Zuschauer einfinden werden. Der überdachte Stehplatzbereich P bietet ebenfalls ca. 2.242 Zuschauern Platz und wurde im Juni 2013 vollständig gesperrt. Dieser Block wird aufgrund seiner Überdachung von den Uerdinger Fans besucht. Insb. aber ist dieser Block sehr beliebt, weil er sich unmittelbar unter dem Franz-Raschid Block (K) der Südtribüne befindet und damit einen sehr großen Einfluss auf die Stimmung der Fans im Stadion hat. Wenn Franz-Raschid-Block und Stehplatzbereich P gut gefüllt sind, überträgt sich dies i.d.R. sehr positiv auf die Stimmung im Stadion. Aus diesem Block hat man einen sehr guten Blick auf das Spielfeld, das sich direkt am Tribünenende anschließt. Für 17.170 Euro (Mittel des Landes) wurde ein Umbau der Westtribüne getätigt, der pünktlich zum Saisonstart 3.150 Zuschauern Platz gewährt. Die 17.100 Euro waren nötig, um den oberen Bereich der Westtribüne, der den Sicherheitsbestimmung bereits entspricht vom unteren Teil der Tribüne abzutrennen. Für diese Renovierungsmaßnahme sind die Fans der Uerdinger dem Land erst einmal dankbar. So wurde zumindest eine Übergangslösung gefunden, um auch weiterhin Zuschauern den Besuch der Spiele zu ermöglichen, die sich keinen Sitzplatz leisten können. Die Zuschauer nehmen die weitaus schlechtere Sicht im Vergleich zur Osttribüne und den überdachten Stehplatzbereichen in Kauf. Außerdem befinden sich die Besucher dieses Abschnitts der Westtribüne nun an einem Platz, der in der Vergangenheit von Gästefans besucht wurde. Dies führt bei einigen Fans zusätzlichen zu negativen Emotionen, die allerdings ebenfalls in Kauf genommen werden. Die allg. Stimmung im Stadion leidet aufgrund dieser Maßnahme sehr stark. Wie bereits oben beschrieben, befindet sich der Tribünenteil weit ab vom Spielfeld und eine Stimmung gemeinsam mit dem Franz-Raschid-Block (K) ist so leider nicht möglich. Der Rat der Stadt Krefeld entscheidet nun am 10.10.2013, ob ein Umbau des Stehplatzbereiches P für ca. 50.000 Euro durchgeführt werden soll. Dieser Investitionsbedarf könnte fast vollständig aus Restmitteln der Sportförderpauschale des Landes NRW finanziert werden (47 356 Euro) und würde somit nicht die Stadtkasse belasten. Nach einem Umbau entsteht ein überdachter Stehplatzbereich, der 1.750 Zuschauern Platz bieten wird unmittelbar unter dem Franz-Raschid-Block (K). Dies wäre der Stimmung im Stadion sehr zuträglich. Außerdem wären die Zuschauer wieder nah am Spielfeld und könnten das Spielgeschehen besser erleben. Die Kapazität ist nach heutigen Gesichtspunkten ausreichend. Sollte sie dennoch einmal nicht ausreichen, kann zusätzlich auf die Westtribüne ausgewichen werden. Ein bloßer Blick auf die aktuelle Kapazität nach Umbau der Westtribüne in Höhe von 12.000 Zuschauern reicht alleine nicht aus, um bewerten zu können, ob ein Umbau des Stehplatzbereiches P sinnvoll ist. Ich selbst bin durch meine mittlerweile leider verstorbene Mutter an den KFC Uerdingen herangeführt worden. Im Kindesalter nahm mich meine Mutter mit zu den Spielen des damals noch unter dem Namen Bayer 05 Uerdingen spielenden Vereins. Später konnte ich viele Spiele verfolgen, da meinem Fußballverein VFR Fischeln Eintrittskarten zur Verfügung gestellt wurden. Als jugendlicher Schüler durfte ich erstmals mit meinen Schulkameraden in das Grotenburg-Stadion. Den Eintritt bezahlten wir von unserem Taschengeld. Wir verfolgten die Spiele im Stehplatzbereich P, der damals aufgrund der tollen Stimmung und der Enge auch als „Käfig“ bezeichnet wurde. Dort wurden wir zu wahren Fans des Krefelder Fußballvereins. Erlebten Höhen und Tiefen, fieberten fast jedem Heimspiel entgegen und waren begeistert von der Stimmung und dem Zusammenhalt, den es in diesem Block bis vor seiner Schließung gab. Wenn man im unteren Bereich des Blockes stand, hatte man beinahe das Gefühl die Spieler greifen zu können. Tage vor den Spielen zerschnitten wir alte Tageszeitung bis wir Blasen an den Fingern hatten, um die Schnipsel im Käfig voller Freude in die Höhe zu werfen und somit einen kleinen Teil zur ansteckenden Stimmung beitragen zu können. Mittlerweile verfolge ich die Spiele von einem Sitzplatz auf der Südtribüne aber erinnere mich sehr gerne an die Zeit im „Käfig“. Viele junge Fans oder Fans, denen nicht so viele Geld für die Sitzplätze zur Verfügung stehen, wollen diese Stimmung ausleben. Am besten eignet sich neben der Osttribüne dazu der Stehplatzbereich P. Sollte dieser Umbau tatsächlich an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt Krefeld scheitern zu drohen, wären alternative Teilfinanzierungen denkbar. Ein zuständiger Bauunternehmer könnte beispielsweise der zukünftige Namensgeber für den umgebauten Stehplatzbereich sein und im Gegenzug einen Beitrag an die Stadt Krefeld abführen. Evtl. hat auch eine städtische Gesellschaft Interesse daran dem umgebauten Stehplatzbereich in Zukunft einen Namen zu geben. Oder der KFC Uerdingen könnte z.B. einen solidarischen Aufschlag von einem Euro pro verkaufte Eintrittskarte einführen und nach jedem Heimspiel an die Stadtkasse abführen. So wären bereits innerhalb einer Saison der größte Teil der Kosten ausgeglichen. Ich bin mir sicher, dass dieser Euro von den meisten Zuschauern im Grotenburg-Stadion gerne bezahlt wird. Ich bitte Sie sich mein Schreiben vor einer Abstimmung zur geplanten Umbaumaßnahme im Rat der Stadt Krefeld in Gedanken zu rufen und entsprechend für diese Maßnahme abzustimmen. Sie hätten somit einen großen Anteil daran, dass sich Fans in Zukunft wieder aktiv an der Stimmung im Stadion beteiligen können. Sie würden ermöglichen, dass junge Fans wieder das erleben können, dass ich und viele andere in der Vergangenheit auch erleben durften. Wir KFCFans stehen zusammen - bereits viele Jahre - und sehnen nichts lieber herbei, als Einheit wieder die Mannschaft des KFC Uerdingen stimmgewaltig zu den zukünftigen Erfolgen treiben zu können. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit Christian Kramer