Schluesselszene.net

Ein positiv Verrückter - Interview mit Andreas Billetter

Artikel, 10.01.2014

Gestern gab der KFC die Verpflichtung eines neuen Trainer für die A-Jugend bekannt. Andreas Billetter soll die Nachfolge des entlassenen Ronny Kockel antreten und versuchen, hier wieder für Normalität und sportlichen Fortschritt zu sorgen. Heute war er dann zum ersten mal an der Grotenburg anzutreffen, wo er ab 19:15 Uhr das erste Training mit seiner neuen Mannschaft leiten sollte. Bei dieser Gelegenheit konnten wir ihm gleich ein paar Fragen zu seinen Vorstellungen und Plänen sowie der aktuellen Situation der A-Jugend stellen.

Es gibt sicherlich leichtere und angenehmere Trainerstationen, als die Uerdinger A-Jugend nach dem Rauswurf des Trainers. Die Stimmung scheint derzeit mehr als vergiftet, die Mannschaft hält sich zum großen Teil weiterhin an die Ankündigung, ohne Kockel nicht mehr für den KFC anzutreten. Zur ersten Einheit erschienen dann auch lediglich fünf Spieler, der Rest streikte weiterhin. Mit diesen Jungs führte der neue Trainer ein einstündiges Gespräch in der Kabine, trainiert wurde am ersten Tag nicht. Fraglich ist, ob und in welcher Form die U19 bei der morgigen Stadtmeisterschaft antreten wird - denn auch hier will der Großteil des Kaders nicht erscheinen. Fraglich ist, welches Ziel die Spieler damit verfolgen. Wie der neue Trainer klar machte, droht allen Spielern, die den Verein nun verlassen, automatisch eine sechsmonatige Sperre. Die Hoffnung, dass die Mannschaft aufgrund fehlender Spieler abgemeldet werden könnte (dann könnten Wechsel sofort stattfinden), machte er dabei schnell zunichte: Zur Not würde er mindestens acht Spieler von der B-Jugend hochziehen, um zu den restlichen Spiele der Saison regelkonform antreten zu können. Da durch die Anstellung von Billetter eine Rückkehr von Ronny Kockel noch unwahrscheinlicher scheint, ist fraglich, wie lange der Ausstand noch dauern wird. Vor dem offiziellen Trainingsbeginn hatten wir die Möglichkeit, uns ausführlich mit Andreas Billetter zu unterhalten. Vor kurzen hast du noch eine Kreisliga A-Mannschaft in Solingen trainiert. Wie kommst du jetzt plötzlich nach Uerdingen? So ist es halt im Trainerbereich. Wir haben im Verein in der Hinrunde finanzielle Probleme bekommen. Im Sommer hat sich heraus gestellt, dass der Plan, den wir vor der Saison aufgestellt haben, nicht zu realisieren ist. Wir sind letztes Jahr Dritter geworden, wollten dieses Jahr angreifen und haben auch letztes Jahr im Winter schon entsprechende Verpflichtungen gemacht. Dann ist der Vorsitzende am 3. Juli kurzfristig ausgeschieden, Wechselperiode und Abmeldefristen für Senioren waren bereits verstrichen. Dann haben wir versucht, mit den Leuten, die das Ruder übernommen haben, bis zum Winter alles aufrecht zu erhalten. Aber es war jetzt absehbar, auch vor den Weihnachtsferien schon, dass sich die Mannschaft mehr oder weniger auflösen wird. Es haben sich jetzt 14 Leute abgemeldet, und da ist natürlich jetzt für jemanden, der mit Ambitionen zu einem Verein gekommen ist, die Frage: wie weit macht das sportlich noch Sinn? Und dann ist es einfach Zufall gewesen, dass ich jetzt im Urlaub über Dritte erfahren habe, dass hier jetzt eine Position frei geworden ist. Dann habe ich einfach mal eine Anfrage gestellt, ob man da vielleicht Interesse hat, sich mal zu unterhalten. Ich muss auch sagen, ich habe erst jetzt diese Woche Mittwoch die letzten, die klärenden Gespräche mit dem alten Verein gehabt. Für den Verein ist es im Endeffekt sinnlos jetzt weiter zu machen. Ich habe auch klar gemacht, dass es bei den Bedingungen sportlich und perspektivisch wenig Sinn macht. Der Zweijahresvertrag wäre zum 30.6. jetzt auch ausgelaufen, und ich konnte nicht davon ausgehen, dass man mit mir verlängert. Einmal aus finanziellen Gründen, und weil das, was wir vor anderthalb Jahren beschlossen hatten, der Vierjahresplan, seit dem Sommer schon hinfällig gewesen ist. Es gab beim KFC ja mehrere Kandidaten für diesen Posten - was glaubst du, war für dein Verpflichtung ausschlaggebend? Ich hoffe, dass ich der beste Kandidat war. Ich bin da auch erstmal selbstbewusst, ich habe einfach die Erfahrung. Ich bin zwar erst 40, aber habe schon 20 Jahre Trainererfahrung. Oberliga, Nachwuchstrainer beim 1. FC Köln in der 1er-Mannschaft, 7-8 Jahre U19-Erfahrung bei verschiedenen Vereinen, auch bis höchstes Niveau. Ich denke, dass das schon insgesamt einen Ausschlag gab und ich hoffe natürlich auch, dass das gemeinsame Gespräch mit Herrn van der Luer auch überzeugt hat. Dass man da mit mir perspektivisch vielleicht für andere Aufgaben auch noch jemanden bekommt, und auch, ich denke das ist mein Bonus, dass ich auch so fußballverrückt bin. Wenn man vier Verrückte hat, ist es immer besser man hat einen fünften, als wenn man zu vier Verrückten ein Normaler kommt. Ich hoffe in diesem Sinne, dass ich positiv verrückt bin, und dass das auch im Gespräch positiv rüber gekommen ist. Du trittst hier ja jetzt ein ziemlich schweres Erbe an, du hast die Situation mit der Entlassung von Ronny Kockel ja sicher mitbekommen. In wie weit betrifft dich das jetzt in der Ausübung deines Jobs? Also in der Ausübung betrifft es mich gar nicht, weil ich Fußballtrainer bin. Ich komme hier hin um als Trainer zu arbeiten und ich sehe das auch nicht als schweres Erbe. Ich gehe davon aus, dass, so wie die Mannschaft sich verhalten hat, man als Mannschaft mit dem Trainer gut gearbeitet hat. Die Platzierung und das, was ich gelesen hab, spricht ja eigentlich auch dafür, dass der Trainer trainingsmäßig eine gute Arbeit gemacht hat. Das ist mir auch nicht anders kommuniziert worden. Ich denke wenn ein Verein mit einem Trainer aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zusammenarbeiten möchte, dann muss man das, und das sage ich auch als betroffener Kollege, einfach akzeptieren. Man wird in seiner Karriere auch immer mal an einen Punkt kommen, wo es von einer Seite nicht passt. Ich habe auch gedacht ich werde in Solingen in drei Jahren in der Landesliga spielen. Nach anderhalb Jahren ist einfach keine Kohle mehr da und man fängt bei null an. Ich denke, es kann einen immer treffen, und ich denke das weiß jeder, der gerade hier auf so einem Niveau arbeitet. Man geht in eine Saison und hat Ziele, und wenn man nach zehn Spielen nicht gewonnen hat, dann kann man tolle Konzepte haben und menschlich super sein, aber da wird es immer für jeden Trainer schwierig sein, seine Position zu verteidigen. Von daher sehe ich das nicht als schweres Erbe an, es wäre ein schlimmeres Erbe, wenn die Mannschaft auf dem letzten Platz wäre und man hätte den Herrn Kockel entlassen, weil er die Mannschaft in einem katastrophalen Zutand hinterlässt. Ich glaube dann mit null Punkten hätte ich ein schwereres Erbe als jetzt auf Platz 7. Die Mannschaft hat angekündigt, ohne ihren Trainer Ronny Kockel nicht mehr spielen zu wollen. Wie sieht der Plan B aus, falls sie dies wirklich durchziehen? Ich würde auf jeden Fall sagen, die Mannschaft hat immer ohne den Trainer gespielt, denn der steht ja immer nur am Rand. Auch das würde ich erstmal positiv sehen, weil ich es respektiere, dass eine Mannschaft auch erstmal hinter dem Trainer steht. Das ist ja eigentlich auch das wünschenswerte. Ich glaube aber auch, wenn hier ein Spieler zum KFC kommt, dann sollte der ja das Ziel haben in der ersten Mannschaft zu spielen. Und ich denke auch Herr Kockel hat in seiner grundsätzlichen Ausbildung das Ziel gehabt, die Jungs so weit zu bringen, dass sie das Vermögen dazu haben. Ich denke, dass wenn die ersten Gespräche vorüber sind, dass man sich dann auf das Normale reduzieren kann. Die Jungs wollen Fußball spielen, das können sie weiterhin. Ich sag auch, wenn jetzt jemand seine Karriere beendet, wegen einem Trainerwechsel, dann hat der später auch Schwierigkeiten im Arbeitsleben, wenn denn dann irgendjemand geht, den man gut leiden kann. Also ich denke mal Solidarität ist auf der einen Seite positiv, aber man muss dann auch irgendwo die Verhältnismäßigkeit sehen. Und ich glaube auch in der Mannschaft, das ist ja immer so, wenn ein Trainer geht, sehen das manche Spieler vielleicht auch eine Chance für sich, die vielleicht vorher weniger zum Zug gekommen sind. Ich denke nicht, dass es die ganze Mannschaft treffen wird, und wenn es so wäre, dann hätten wir auch einen Plan B. Ich denke, im Zweifelsfall ist noch Zeit auch Spieler anzusprechen, die B-Jugend hat auch einen großen Kader. Dann müsste man halt sagen wir starten da direkt perspektivisch auch mit der B1, und wenn man dann absteigt, dann steigt man halt ab. Aber man hat dann auf jeden Fall schon eine Truppe an der Hand, mit der man die nächsten zweieinhalb Jahre arbeiten kann. Du hast gesagt, das Ziel muss sein, in die erste Mannschaft zu kommen. Wie siehst du denn da die Möglichkeiten der Spieler? Bisher können sie nur über die Kooperation nach Fischeln wechseln, die zweite Mannschaft ist nicht gerade attraktiv, und direkt in die Regionalliga wird es auch kaum jemand schaffen. Wie ist da die Zukunftsplanung, um den Spielern hier einen Weg aufzubauen? Das stimmt ja auch nur halb, denn wir haben ja einen Spieler, der noch U19 spielen dürfte und in der Ersten aktiv ist. Aber da muss man realistisch sein, der Sprung ist groß. Auch von der A-Bundesliga, da kann ich das aus Wuppertal sehr gut beurteilen, weil ich da sehr gute Kontakte habe und auch den Trainer persönlich kenne. Es hängt eigentlich vom Spieler ab. Wenn ich als Spieler bereit bin, meine Zeit dafür zu investieren, dann habe ich immer eine gute Chance. Und ich glaube auch gerade bei einem Trainer wie Eric van der Luer, der auch aus dem Jugendbereich kommt, und der sicher bereit ist, das Potential eines Spielers auch immer zu fördern. Natürlich muss ein Jugendspieler auch die nötige Geduld mitbringen, dann auch mal sechs Monate erstmal nur in der zweiten Reihe zu sein. Aber man sieht das auch in diesem Jahr beim KFC: es gibt Verletzte, es gibt Sperren, es gibt vielleicht andere Gründe, warum man nicht spielt, und dann muss man eben da sein. Und das ist in der A-Jugend eben auch ein wichtiges Thema, was man den Jungs frühzeitig mitgeben muss. Gerade auch dem jungen Jahrgang. Der sitzt vielleicht auch in der ersten Saison mehr auf der Bank und spielt weniger. Aber man arbeitet ja auch in der Ausbildung nicht im ersten Jahr schon um auf dem Chefsessel zu sitzen, sondern das ist ja ein Prozess. Und ich glaube, wenn das transparent gemacht wird zwischen erster Mannschaft und A-Jugend, dann ist man auf einem guten Weg. Ich sag ganz aber auch klar, ich bilde hier nicht als A-Jugend-Trainer für eine Kreisliga B aus. Man ist ein Verein, man sollte auch generell immer in jeder Mannschaft spielen wollen, aber ich glaube es wäre fatal, wenn man jetzt hingehen würde und der A-Jugend sagt: die Kreisliga B ist das, was ihr als Perspektive habt. Dann müsste der KFC sich natürlich auf struktureller Ebene Überlegungen machen. Wie das mit Fischeln jetzt ist, dass man da eben zwei jahre Seniorenerfahrung sammeln kann, immer wieder mit der Option, zum KFC zurück zu kommen. Ich denke da muss man jetzt erstmal abwarten und ich muss mir erstmal einen Eindruck machen. Oder auch ganz klar beim Scouting schon frühzeitig in der Umgebung oder bei anderen Vereinen. Gucken, wo sind Spieler, die vielleicht in Gladbach, in Oberhausen, in Duisburg nicht zweite oder dritte Bundesliga packen, die aber Regionalliganiveau hätten. Dass man auch da frühzeitig schon ansetzt und Spieler hier lockt, mit der Perspektive Regionalliga. Und da ist natürlich auch die Zusammenarbeit von Eric van der Luer und mir gefordert. Ich hoffe, dass das, was wir besprochen haben, nämlich eine enge Kooperation und auch eine Miteinbeziehung meiner Person auch ins Training der ersten Mannschaft, dass man da auch drauf aufbauen kann. Wir wünschen viel Erfolg mit der neuen Aufgabe!