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Schießbude Uerdingen - KFC geht gegen Lotte unter

Artikel, 21.09.2013

Nach der 0:4-Klatsche im letzten Heimspiel gegen die Zweitvetretung des 1. FC Köln schöpften die Fans vergangene Woche in Essen neuen Mut. Zwar gab die Mannschaft dort nach einer Führung den Sieg noch unglücklich aus der Hand. Aber immerhin hatte sich gezeigt, dass man durchaus auch mit einem der vermeindlich stärkeren Teams mithalten konnte. Der ein oder andere KFC-Fan dürfte sich vor dem Spiel gegen Lotte deswegen vielleicht sogar Hoffnungen gemacht haben, dass gegen den Tabellenführer eine Überraschung möglich wäre. Stattdessen wurde es die höchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte.

Vor dem Spiel wechselte Trainer van der Luer zunächst einmal auf der Torhüterposition. Volkan Ünlü sollte sein Ligadebüt für den KFC geben, nachdem er bislang nur in Testspielen und im Pokal zum Einsatz kam. Da Neuzugang Robin Udegbe noch rechtzeitig seine Freigabe bekommen hatte und für die Erfüllung der U23-Regel auf der Bank saß, rutschte Sascha Samulewicz gleich auf die Tribüne. Von dort musste er ansehen, wie Lotte die erste Großchance des Spiels hatte: Den gut gezielten Freistoß in der 4. Minute konnte Ünlü jedoch sehenswert parieren. Dabei prallte er wohl auch gegen den Pfosten, weswegen er im Anschluss kurz behandelt werden musste. Die Gäste waren auch in der Folge überlegen und schnürten den KFC weitgehend in der eigenen Hälfte ein. Die Uerdinger waren offensichtlich darauf bedacht, erstmal hinten sicher zu stehen. Trotzdem kam Lotte noch zu weiteren Torszenen, Ünlü rettete erneut. Nach zwanzig Minuten dann der erste Angriff des KFC, doch Uzuns Schuss nach Lamidis Vorarbeit wurde geblockt. Kurz darauf große Aufregung bei Spielern und Fans: Einen Distanzschuss von Kosi Saka blockiert ein Verteidiger der Gäste mit dem Oberkörper im Strafraum. Der KFC forderte einen Handelfmeter, doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Auch durch diese Szene wurde die Partie im Anschluss hektischer, beide Mannschaften leisteten sich im Mittelfeld zahlreiche Ballverluste. Doch gerade als es so schien, als könnte der KFC mit einem Unentschieden in die Kabine gehen, schlug Lotte doch noch zu. Eine Flanke wurde vor dem Tor auf den freistehenden Aleksandar Kotuljac verlängert, welcher den Ball nur noch über die Linie drücken musste. Die Verteidiger reklamierten zwar eine Abseitsstellung, doch der Treffer zählte. Kurz darauf endete die erste Halbzeit, in der die Gäste zwar klar das bessere Team waren, der KFC aber zumindest phasenweise gut mithalten konnte. Nach dem Wiederanpfiff dann fast die große Überraschung, als Lamidi an der Strafraumgrenze abzog - doch sein Ball ging leider leicht über das Tor. Beflügelt davon zeigten die Uerdinger nun bessere Ansätze im Spielaufbau, was jedoch nur fünf Minuten andauern sollte. Denn dann patzte Musa Celik in der 51. Minute und ermöglichte den Gästen einen schnellen Konter. Shapourzadeh zeigte von der Grundlinie einen sehenswerten Lupfer über Ünlü auf den freistehenden Kotuljac, welcher erneut wenig Mühe hatte. Nach dem hoffnungsvollen Start in die zweite Halbzeit war der Gegentreffer offensichtlich Gift für die Moral der Uerdinger. Im Anschluss häuften sich in der Verteidigung die Fehler. Freiberger per Alleingang (54.) und Shapourzadeh (55.) erhöhten blitzschnell auf 0:4. Danach schaltete Lotte einen Gang zurück und van der Luer brachte mit Meik Kuta und Lance Voorjans zwei frische Kräfte ins Spiel. Doch auch die Offensivkräfte konnten keine wirklich neuen Impulse setzen - von geordnetem Spielaufbau konnte keine Rede sein, die Bälle wurden meist schon vor der Mittellinie wieder abgegeben. Erneut Schapourzadeh nahm sich dann in der 77. Minute ein Herz und erhöhte auf 0:5. Sinnbildlich für den Einstand von Schlussmann Ünlü war dann das bald darauf folgende sechste Tor. Mit einem sehenswerten Hechtsprung parierte er einen Kopfball und spielte den Ball zu Alexiou. Der hatte aber nichts besseres zu tun, als den Ball wieder mitten vor das Tor und damit in die Füße des Angreifers zu spielen. Dieser stand nun allein vor dem Torhüter und ließ sich nicht zweimal bitten. Volkan war an diesem Abend mit Sicherheit die ärmste Sau im Stadion. Zum Schluss (87.) erhöhte der eingewechselte Ernst noch zum 0:7. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele der 1811 anwesenden Zuschauer das Stadion aber schon lange verlassen, während der Rest den Abpfiff herbeisehnte. Auch die Spieler des KFC waren offensichtlich bedient. Lotte spielte den Ball noch ein paar Minuten in den eigenen Abwehrreihen hin und her, bis der Schiedsrichter sich endlich erbarmte und erneut ein Pfeiffkonzert über die Mannschaft herein brach. Obwohl sicher niemand im Vorfeld ernsthaft mit einem Sieg gegen Lotte gerechnet hatte, war die gezeigte Leistung alles andere als regionalligatauglich. Den KFC erwartet mit den Spielen gegen Gladbach II und Bochum II nun eine heisse Woche. Aktuell ist es schwer zu sagen, wie man den Expresszug zurück in die Oberliga an diesem Punkt noch stoppen will.