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Ganz große Scheiße - Uerdingen im Abstiegstaumel

Artikel, 26.03.2014

Lange Gesichter gab es beim KFC gestern wieder einmal zuhauf. Nach der absolut blutleeren Vorstellung und der mehr als verdienten Niederlage gab es wohl niemanden im Stadion, der noch an den Klassenerhalt glaubte. Noch schlimmer als der bittere Punktverlust gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten war aber die Ratlosigkeit. Weder die Spieler, noch ihr Trainer oder die Verantwortlichen schienen begreifen zu können, was genau da gerade 90 Minuten lang auf dem Feld passiert war.

Viele Fans hatten es nach der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach II vorgezogen, nicht an einem Dienstagabend ins Lohrheidestadion zu hetzen - und damit alles richtig gemacht. Denn die gerade einmal 250 Zuschauer sahen die absolut schlechteste Leistung der Saison. Von der ersten Minute an waren die Uerdinger genau so planlos, ängstlich und überfordert wie in der zweiten Hälfte des Gladbach-Spiels. Kein Vergleich mehr mit dem ersten Saisonspiel, als im gleichen Stadion der KFC die SG Wattenscheid mit 2:0 dominierte und den ersten Saisonsieg feierte. Es ist fast schon zu passend, dass wir in der Lohrheide nach dem Debakel der U23-Regel auch noch gestern den absoluten Tiefpunkt der Saison miterleben mussten. Schon vor dem Anpfiff war die Luft im Tabellenkeller für den KFC mehr als dünn. Durch den Punktverlust gegen Gladbach war die SG Wattenscheid auf sechs Punkte davon gezogen, und das auch noch bei einem Spiel weniger. Mit einem Sieg gegen Bochum wollte man zumindest mit diesen gleich ziehen und den 15. Tabellenplatz anvisieren. Trotz der Enttäuschung im letzten Spiel keimte so langsam wieder Hoffnung auf, auch die Spieler gaben sich motiviert und kampfbetont. "Wir werden uns zerreißen und das Spiel gewinnen," versprach Güngör Kaya gegenüber der Reviersport. Dass das wieder einmal nur leere Worte waren, sah man dann leider recht schnell. Anstelle des erhofften Sturmlaufs entwickelte sich vom Anstoß an nur ein müdes Gekicke. Der KFC konnte in den ersten 45 Minuten keinerlei Chancen heraus spielen, lediglich ein Freistoß zwang den Torhüter einmal zum Eingreifen. Auch Bochum war nicht bedeutend besser, kam aber wenigstens zu ein paar kleineren Chancen. Nach einer Ecke fiel dann wieder einmal der Gegentreffer. Touré war nicht nah genug beim Gegenspieler und Starostzik konnte problemlos einköpfen. Im bis dahin gespenstisch stillen Stadion gab es jetzt vermehrt Pfiffe zu hören. In der Kabine muss es laut geworden sein, denn nach der Pause zeigte der KFC so etwas wie ein kleines Aufbäumen. Das Spiel wurde schneller und offensiver, auch durch die Einwechslung von Emrah Uzun für den schwachen Tim Rubink. Nun gab es plötzlich die eine oder andere Torchance, doch auch Bochum konnte kontern. Bevor aber irgendetwas zählbares dabei heraus kommen konnte, verflachte die Partie bald wieder. Auch auf den Rängen war es mit der zwischenzeitlichen Euphorie wieder vorbei. Als in der 80. Minute dann Gündüz für den VfL den Sack zu machte, gab es von einigen KFC-Fans schon höhnischen Applaus. Während von der Tribüne dann nur noch Pfiffe und "Absteiger"-Rufe zu hören waren, hatte sich auch die Mannschaft offensichtlich schon aufgegeben. Ohne große Gegenwehr durften Kreyer und Maerz noch auf 4:0 aus Sicht der Gastgeber erhöhen. Durch den Sieg erhöhten die Bochumer den Abstand zum KFC ebenfalls auf sechs Punkte und haben auch noch ein Spiel weniger. Selbst Platz 15 scheint damit nicht mehr erreichbar, erst recht nicht mit der gezeigten Leistung. Mehr Aufmerksamkeit als der scheinbar besiegelte Abstieg erhielt nach Spielende aber Eric van der Luer. Auch wenn die Spieler in der Vergangenheit immer wieder betonten, wie wichtig der Trainer für sie und den Verein sei, hatten sie ihn auf dem Platz klar im Regen stehen lassen. Als Außenstehender kann man unmöglich bewerten, ob die Mannschaft einfach nur platt war, bewusst gegen ihren Trainer gespielt hat oder ob van der Luer die Spieler einfach nicht mehr erreicht. Doch das Ergebnis ist am Ende das gleiche. Der Reflex Trainerwechsel, den Präsident Lakis schon vor dem Spiel ins Gespräch brachte, scheint immer mehr das letzte Mittel zu sein, noch irgendwie zu reagieren. Es steht uns auf jeden Fall ein turbulentes Saisonfinale bevor. Der sportliche Klassenerhalt wäre wohl nur noch durch ein Wunder zu erreichen, doch die genaue Anzahl der Absteiger wird ohnehin erst nach Saisonende fest stehen. Mit der gestern gezeigten Leistung muss man aber wohl ohnehin eher nach unten in der Tabelle schauen, dass uns die letzten drei Teams nicht auch noch überholen.