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Ein Schnitt muss her - Professionalisierung jetzt!

Neuigkeit, 22.06.2020

Nach dem "post-Corona-Restart" der dritten Liga wurschtelt der KFC sich mehr schlecht als recht durch den Rest der Saison. Mit nunmehr 9 Punkten bei noch 4 ausstehenden Spielen ist der Klassenerhalt rechnerisch noch nicht geschafft, doch ist der Puffer mittlerweile groß genug, um realistischerweise nicht mehr in Abstiegspanik verfallen zu müssen. Auch wenn es nach wie vor Stimmen gibt, welche die Apokalypse noch nicht als abgewendet betrachten, ist beim Restspielplan nicht zwingend davon auszugehen, dass der derzeit erste Abstiegsplatz-Inhaber, der FSV Zwickau, die 9 Punkte auf den KFC noch aufholt.


Damit ist zu der Saison sportlich eigentlich bereits viel gesagt. Der KFC, wieder mal mit einem der teuersten Kader der gesamten Liga und hohen Ambitionen, muss am Ende - wieder mal - auf andere Mannschaften gucken um das eigene Unvermögen auszugleichen. Das mag hart klingen, entspricht jedoch der Realität. Dabei wurden wieder einige Fehler gemacht, viel schlimmer noch: wiederholt, von welcher die sportliche Führung zum Saisonende der letzten Saison noch großmundig behauptete, man wisse jetzt, worauf es in der Dritten Liga ankommt um erfolgreich zu sein. Scheinbar hat sich dieses Wissen noch nicht in konkrete Maßnahmen und die Realität umsetzen lassen.


Dabei waren gute Ideen dabei:

Mit Heiko Vogel wurde der Trainer für die neue Saison rechtzeitig installiert und durfte die Mannschaft schon im Pokalfinale coachen. Er hatte eine komplette Vorbereitung und durfte die Mannschaft komplett nach seinen Vorstellungen umgestalten. Doch hier liegt schon der erste große Fehler dieser Saison:


Das Nichtvorhandensein eines sportlichen Leiters, der auch Ahnung hat, wie eine Mannschaft zusammengestellt werden muss und welche Spielertypen eine erfolgreich funktionierende Mannschaft braucht. Hätte man Heiko Vogel noch weiter werkeln lassen, wären auch Osayamen Osawe und Dome Maroh nicht mehr Teil unseres Kaders und wir hätten wohlmöglich noch mehr ineffiziente Leihspieler von Bundesligisten.Niko Weinharts und Mikhail Ponomarevs Arbeit in allen Ehren, doch das Konzept, welches noch in der Ober- und Regionalliga funktionierte, ist jetzt zwei Jahre lang in der Dritten Liga gescheitert. Daher muss für die kommende Saison eine absolut professionelle Lösung her. Ein Kaderplaner, der Ahnung davon hat, wie man einen Kader zusammensetzt und welche Spieler man benötigt und welche nicht. Es darf nicht mehr sein, dass - polemisch formuliert - Niko Weinhart die Transfermarkt Profile durchstöbert und danach die Spieler aussucht. Mirko Vogt als Chefscout einzustellen war der erste Schritt in die richtige Richtung, darf allerdings nicht der letzte gewesen sein. Dieser weitere Weg der Professionalisierung muss zwingend weiter verfolgt werden, um einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen zu können von Spielern, die gescoutet wurden und in die Philosophie des Vereins und zur Mannschaft passen!


Doch auch die medizinische Abteilung muss hinterfragt werden. Wir haben jede Woche neue Ausfälle zu beklagen und mittlerweile reicht ein Training zwischen zwei Spielen um mindestens einen neuen Ausfall hinzuzubekommen. Blutergüsse dauern bei unserer Mannschaft mehrere Wochen und auch vermeintlich leichtere Verletzungen dauern häufig doppelt so lange wie bei anderen Vereinen. Das beste, aktuelle Beispiel ist Jan Kirchhoff, der mit einer Muskelverletztung jetzt auch bereits wieder über drei Wochen ausfällt. Kleinere Wehwehchen bei nahezu allen anderen Spielern ziehen sich durch die Saison und bei jeder Vorsichtsmaßnahme hat man gleich Angst, dass die Saison für den Spieler bereits am 5. Spieltag gelaufen ist. Diese Häufung von Verletzungen muss hinterfragt und ein Konzept für die Zukunft erarbeitet werden, so dass der KFC nicht der Verein ist, der regelmäßig eine gesamte Mannschaft ersetzen muss und keine Alternativen mehr hat.


Darüber hinaus muss ein Strich gezogen werden. Spieler, die im aktuellen Kader in der aktuellen Situation keine Leistung bringen und lustlos nebenherlaufen oder schlimmer noch: stehen, dürfen in der nächsten Saison nicht mehr Teil der Mannschaft sein. Auch wenn ein Schlussstrich jetzt nochmal teuer wird, bringen Spieler wie Manuel Konrad, Kevin Großkreutz, Dennis Dauber, Adriano Grimaldi, Roberto Rodriguez oder Ali Ibrahimaj (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) maximal mittelmäßige Leistungen. Dazu sind sie häufig verletzt oder unfit und langsam. Eine Mannschaft, die den Anspruch und die finanziellen Möglichkeiten hat, aufzusteigen, kann es sich nicht leisten, solche Spieler in einer Vielzahl durchzuschleppen. Spieler, von denen man glauben muss, dass es Leitwölfe sind, die auf die Zähne beißen und voran gehen, laufen nur mit und hinterher. Verletzungen sind immer tragisch, für den Spieler, für den Verein. Doch der Verein muss das beste für den Verein denken und darf sich nicht von falschen Vorstellungen leiten lassen. Es bringt nichts, einen 30-Mann starken Kader zu haben, wenn am Wochenende regelmäßig nur ein oder zwei Stürmer im Kader stehen. Aufgrund dieser verfehlten Transerpolitik sind wir in den letzten Jahren jeglicher offensiven Optionen beraubt und unsere einzige Antwort lautet, einen 35 Jahre alten Assani Lukimya in den Sturm zu stellen.


Spieler wie Selim Gündüz und Khalil Mohammad werden hier durchgezogen, obwohl bei beiden Spielern seit langer Zeit bekannt ist, dass diese kein Spiel mehr für den Verein machen werden. Anstatt diese Verträge spätestens im Winter aufzulösen, riskiert man lieber Unzufriedenheit und auch böses Blut, gestreut über diverse regionale Medien.


Mikhail Ponomarev hat relativ am Anfang mal einen Satz geprägt, dessen Gültigkeit derzeit in Frage steht:


Erfolg ließe sich nicht immer planen, sagte Ponomarev, doch er legt viel Wert darauf, eine positive Entwicklung zu sehen und beruteilt danach sein Handeln.



Diesen Satz konsequent zu verfolgen bedeutet auch, jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen und endlich auf eine Professionalisierung im Vereinsumfeld zu setzen. Auch wenn wir immer noch glauben, dass mit wenigen Leuten viel erreicht werden kann, sind die letzten Jahre Warnung genug an alle, die glauben, eine drittliga Mannschaft lässt sich "nebenbei" aufbauen und die Leute können immer noch mehr Arbeit auf sich nehmen. Es ist wichtig, die Arbeit auf Schultern zu verteilen, die wissen was sie tun. Mikhail Ponomarev ist der Boss des Ganzen, Niko Weinhart der Geschäftsführer. Jeder sollte sich auf den Kern seiner Arbeit konzentrieren können, ohne die Baustellen des Kaders zu seiner Aufgabe machen zu müssen. Der Kader muss professionell geplant werden und den Anforderungen eines Drittliga-Spitzenteams gerecht werden. Vor allem sollte sich niemand mehr von vermeintlich großen Namen blenden lassen. Ein gutes Beispiel für den benötigten Typ Spieler hat die letzte halbe Stunde gegen den MSV Duisburg gezeigt: Spieler, die aggressiv und mutig sind, mit viel Tempo auch ins Pressing gehen können und nicht nach 60 Minuten ein Sauerstoffzelt brauchen.


Und dann braucht es die Einsicht eines Trainerteams, welches die Stärken der eigenen Mannschaft konsequent ein- und umzusetzen versucht und nicht auf Teufel-komm-raus bei einem umschalt- und konterstarken Gegner eine langsame Innenverteidigung auf Dreierkette umzustellen und das Spiel machen zu wollen. Das 4:0 in Lautern aber auch das 0:0 in Chemnitz hat Stefan Krämer vercoacht. Doch die Spielphilosophie und Fußball-Idee des Trainers ist bekannt und dementsprechendes Spielermaterial benötigt er, um seine Idee von Fußball umsetzen zu können.


Die nächste Sommerpause entscheidet vermutlich über die weitere Entwicklung des Fußballstandort Krefelds. Die Dritte Liga wird, wieder einmal, so interessant wie nie zuvor, es steigen ambitionierte Mannschaften ab und sicher auch ambitionierte Mannschaften auf. Das Teilnehmerfeld wird vermutlich wieder sehr eng, weswegen eine gute Planung von Fachleuten wichtig ist, um eine gute Rolle in der Liga spielen zu können.


Last but not least ist die Informationspolitik des Vereins zu bemängeln. Informationen werden nicht (mehr) mit den Fans und Mitgliedern geteilt. Fragen zum weiteren Vorgehen bei Dauerkarten bleiben unbeantwortet. Auch sonst fühlt man sich als Fan nicht häufig als Teil einer Gemeinschaft mit dem Verein sondern eher als ein schmückendes Beiwerk. Die neue Saison braucht eine Kraftanstrengung von allen, wofür es notwendig ist, dass alle - Verein, Fans, Presse und Sponsoren - an einem Strang ziehen!