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Zweieinhalb Wochen vor Saisonstart – der Kadercheck

Neuigkeit, 03.09.2020

Die Sommerpause nach der Mammut-Rückrunde ist nun schon einige Wochen alt, das Training läuft nun fast vier Wochen und die ersten Testspiele hat die Mannschaft halbwegs erfolgreich hinter sich gebracht. Der Umbruch in der Mannschaft ist der bisher größte seit dem Aufstieg in die Regionalliga und es ist an der Zeit, sich einmal der Analyse des Kaders zu widmen. Wo sind wir wie besetzt? Wo besteht noch Bedarf?

Fangen wir im Tor an. René Vollaths Kontrakt wurde nicht verlängert, jener von Philipp Bachmeier wurde aufgelöst. Auch Robin Udegbe, vorletzten Winter noch aus Oberhausen verpflichtet, hat den Verein mit einer Vertragsauflösung in Richtung SV Straelen verlassen. So kam es, dass im KFC Kader zwei Torhüter-Positionen besetzt waren und eine Planstelle somit offen. Nachdem Mathias Hamrol und Sven Müller von Stefan Krämer getestet wurden, kam die dicke Überraschung: Der KFC verpflichtet Hidde Jurjus vom PSV Eindhoven. Ein Torhüter, der in der letzten Saison als „bester Torhüter der Liga“ in der zweiten niederländischen Liga ausgezeichnet wurde und dessen Vita auf seine Ambition und Klasse schließen lässt. Natürlich findet man auch negative Aspekte seines Torhüterspiels, doch insgesamt ist in Jurjus ein Top-Torhüter zum Kader gestoßen, der den Konkurrenzkamp auf der Torwart-Position auf ein neues Level hebt. Ein Konkurrenzkampf, welchen man sich auf anderen Positionen sehnlich wünschen würde, doch dazu später mehr. Stefan Krämer hat betont, dass er einen sportlichen Kampf um die Nummer 1 Position haben will, so dass alle Beteiligten Höchstleistungen bringen (müssen). Unsere Prognose: Der KFC geht mit Hidde Jurjus als Nummer 1 in die Saison. Die Kaderplanungen auf der Torhüter Position sind abgeschlossen.


Kommen wir zur Abwehrreihe, deren Gesicht gerade noch einen Veränderungsprozess durchlebt. Die Verträge von Hakim Guenouche und Alex Bittroff wurden aufgelöst bzw. nicht verlängert. In der Innenverteidigung wurde Assani Lukimya ebenso wie Christian Dorda auf Links um ein weiteres Jahr an den Verein gebunden. Dominic Maroh soll dem Vernehmen nach den Verein verlassen. Dementgegen stehen hoffnungsvolle Neuverpflichtungen wie die Omar Haktab Traorés, der sich in der vergangenen Saison für den SV Rödinghausen in der Regionalliga einen Namen gemacht hat und auch in den Testspielen bereits zu überzeugen wusste. Oder aber auch Stefan Velkov, der in Deutschland vorher sicher nur Insindern etwas sagte. Velkov hat zuvor in den Niederlanden verteidigt. Mit Leon Schneider wurde noch ein hoffnungsvolles Abwehrtalent des 1. FC Köln verpflichtet und soll der Abwehr in der Breite die nötige Stabilität und das nötige Tempo geben. Doch kommen wir zurück zum Konkurrenzkampf. Zwar wurde mit der Verpflichtung Schneiders und auch der Gino Fechners (den wir erst im Mittelfeld behandeln) der Kader in der Breite verstärkt, doch fehlt gerade auf den Außenbahnen der Konkurrenzkampf. Schneider und Fechner können zwar jeweils die Außenverteidiger Positionen bekleiden, sind jedoch nie 1A Wahl und werden dementsprechend auch weniger Druck auf Christian Dorda und Omar Traoré ausüben können. Sollten Maroh und Großkreutz den Verein tatsächlich verlassen, muss in dieser Richtung nachjustiert werden und die defensiven Außenbahnen gestärkt werden. In der Innenverteidigung sieht es prinzipiell danach aus, dass alle Positionen doppelt besetzt sind, doch berücksichtigt man die aktuelle Verletzung von Lukimya sowie den – wieder einmal – langen Ausfall Jan Kirchhoffs stellt sich bei einem Weggang Marohs die Abwehr von alleine auf. Auch hier sind Fechner und Schneider „nur“ Backup-Lösungen, so dass neben den Außenverteidigern noch ein erfahrener Drittliga-Verteidiger notwendig wäre. Ansonsten wäre eine Trennung von Dominic Maroh aus sportlicher Sicht nicht nachvollziehbar.


Beschäftigen wir uns im Mittelfeld zunächst mit dem defensiven Part. Manuel Konrad wird dem Vernehmen nach keine Rolle mehr spielen und ist nun auch seit mehreren Wochen bereits erkrankt. Adam Matuschyk hat den Verein ebenso verlassen wie Dennis Daube und Jean-Manuel Mbom. Die Namen auf dieser Position sehen gut aus. Fridolin Wagner vom Absteiger Preussen Münster kommt als klassischer Sechser mit viel Laufpensum. Dazu ist Gino Fechner ein solider Backup für diese Position. Tim Albutat, der ablösefrei vom Konkurrenten MSV Duisburg wechselte, dürte eher für die „Acht“ eingeplant sein und da für die Verbindung zwischen Defensiv- und Offensivreihe sorgen. Doch es gibt auch noch Peter van Ooijen, der im zentralen Mittelfeld zu Hause ist und seine Ambition auf einen Stammplatz bereits angemeldet hat. Die defensive Zentrale scheint somit gut aufgestellt. Auch Eddy Girdvainis kann hier aushelfen, doch fehlt unseres Erachtens noch ein körperlich präsenter Sechser mit entsprechender Drittligaerfahrung, welcher der Abwehr den Rücken freihält. In den Vorbereitungsspielen hat Krämer Ali Ibrahimaj auf dieser Position getestet und dieser machte seine Sache durchaus sehr ordentlich. Ob er eine dauerhafte Option ist wird sich zeigen.

Die Offensivpositionen sind im Mittelfeld bisher noch relativ dünn besetzt. „Königstransfer“ Kolja Pusch dürfte auf der Zehn gesetzt sein. Gerade nach dem neuerlichen Ausfall Rijad Kobiljars fehlt es hier sowieso an Alternativen. Links und Rechts auf den Außenbahnen hat der Kader immer noch große Baustellen. Mit Christian Kinsombi, Hans Anapak und Mike Feigenspan setzt der Verein offensichtlich auf viel Geschwindigkeit, doch gerade für die Linke Seite fehlt der Backup und rechts darf zumindest nicht der Fehler gemacht werden, einzig mit Christian Kinsombi zu planen und ihn mit der Bürde komplett zu überfordern. Hans Anapak hat in den Testspielen sein Talent bewiesen, zeigt jedoch auch, dass Männerfußball eine andere Qualität hat als Jugendfußball und wird sich erst an das Niveau gewöhnen müssen. Fazit: Der KFC hat noch mehr als dringenden Handlungsbedarf im Mittelfeld und da gerade auf den offensiven Außenpositionen.


Kommen wir zum Sturm, der in den letzten Jahren schon immer einer Großbaustelle glich. Osayamen Osawe hat bisher eine starke Vorbereitung gespielt, jedoch wieder einmal seine „Nicht-Torjägerqualitäten“ unter Beweis gestellt. Sein Ausfall von voraussichtlich zwei Monaten reißt dennoch erstmal eine große Lücke in den Kader. Mit Heinz Mörschel wurde ein guter Spieler von Preussen Münster verpflichtet, der jedoch nicht in der Sturmspitze zu Hause ist. Hier wird spannend zu sehen, welchen Plan Stefan Krämer mit ihm verfolgt. Bleibt Adriano Grimaldi, der in den vergangenen anderthalb Jahren quasi nie gespielt hat und nur verletzt war. Jede Aktion, bei der Grimaldi sich an irgendeine Körperstelle fasst und liegen bleibt sorgt gleich wieder für große Sorgenfalten. So z. B. beim Test in Hannover. Nun berichtet die Reviersport wieder einmal über eine Verletzung Grimaldis, was bedeuten würde, dass kein Stürmer derzeit zur Verfügung stünde. Zwar wird mit Soufian Benyamina ein Stürmer getestet, doch dürfte allen klar sein, dass hier noch mehr Handlungsbedarf besteht als nur ein Stürmer.


Fazit: Gerade nach der letzten Saison und auch Krämers Aussagen, dass er ja keine Stürmer im Kader habe und deshalb natürlich auch weniger Tore geschossen würden, ist es derzeit absolut unverständlich, mit welcher fast schon Gleichgültigkeit die Stürmer-Position behandelt wird. Letztes Jahr umfasste der Kader mehr Torhüter als Stürmer, was man an der Torausbeute sehen konnte. Die Aussagen, man mache nur Dinge, die 100% passen, trifft vielleicht auf die 1A – Lösung zu. Für die Breite muss man sich auch mal mit 70 oder 80% zufrieden geben und so auch die Chance haben, am Schluss nochmal offensiv wechseln zu können, ohne gleich wieder Assani Lukimya in den Sturm stellen zu müssen.


Es wird also zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass in den nächsten Wochen noch Dinge am Kader passieren. Ob man dem aktuellen Kader mit den Verletzten und Baustellen wirklich zutraut, in die Saison zu gehen und das geöffnete Transferfenster abzuwarten, wird sich zeigen. Es wäre ein Ritt auf der Rasierklinge.


Dennoch muss auch festgehalten werden, dass die Transferpolitik der aktuellen Transferperiode sehr positiv ist. Es wurden weniger große Namen verpflichtet sondern eher darauf geachtet, was kann ein Spieler wo und wie leisten und wie passt er in die Mannschaft. Dafür gehört den Verantwortlichen ein Lob ausgesprochen. Doch es wäre fatal, hier zu stoppen und sich selbst in Eitelkeit zu verrennen. Leute wie Jurjus, van Ooijen, Albutat und Pusch zu verpflichten und dann keinen adäquaten Sturm zu haben wäre fahrlässig und dillettantisch. Daher ist unsere Hoffnung begründet, dass in den nächsten Wochen noch Bewegung in den Kader kommt. Sollten die Baustellen geschlossen werden, ist diesem Kader eine gute Rolle zuzutrauen.