Johannes
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Ja, für junge Menschen ist der Virus in der Regel offenbar nicht so gefährlich wie für Alte oder Vorerkrankte und ja, selbst wenn das gesamte Land infiziert werden würde, würden die Allermeisten von uns überleben. Nichts davon ist neu, nichts davon ist falsch, aber je mehr Leute jetzt langfristig ihren Alltag umstellen und auf Gewohntes verzichten, so schwierig es sein mag, desto weniger Menschen werden erkranken, desto besser geht es dem Gesundheitssystem - aber ist ja cooler, dahinter eine Weltverschwörung zu vermuten, die so gut verschleiert wird, dass sogar die Idioten auf Facebook sie mitbekommen haben. Und ich nehme nicht wahr, dass Menschen mundtot gemacht werden, im Gegenteil, sogar du darfst hier doch noch mit Zahlen jonglieren, die du nicht verstehst.
Und witzig der Hinweis mit dem Spargelstechen, hahaha! Hätte ich mal was Richtiges gelernt, oder? Selbst Schuld! Hahahaha!
Ich erlaube mir mal, meinen Text zur aktuellen Situation der Kulturszene hier zu veröffentlichen:
"Aber es gibt doch diese Soforthilfe!" - Ein paar Gedanken zur Situation selbstständiger Künstler*innen
Na, habt ihr auch gesehen, wie Madonna in ihrer goldenen Badewanne liegend singt? Oder diese TV-Sendung, in die Max Giesinger sich per Skype eingeschaltet hat? Und dass es jetzt überall wieder Autokinos gibt, einfach kultig. Klasse, wie kreativ die Leute mit der Krise umgehen, oder? Ja, wenn man es sich als Kulturschaffende*r leisten kann, keine Existenzängste haben zu müssen, dann ist das jetzt ein cooler, langer Urlaub im eigenen Zuhause. Die Realität sieht für die Allermeisten leider ganz anders aus. Aktuell bleiben selbstständige Künstler*innen nämlich nicht nur drinnen, sondern vor allem: außen vor. Viele von uns sind finanziell jetzt so richtig am Arsch; bundesweite, umfassende Hilfe ist nicht in Sicht und ich habe lange überlegt, ob ich dazu überhaupt was schreibe. Weil es wie Betteln rüberkommen könnte und ich mich nicht wohlfühle in dieser Position. Weil ich schon die Kommentare einiger gelesen habe in den letzten Tagen, man könne sich ja in der Zwischenzeit einen "richtigen" Beruf suchen, die würden doch noch Leute fürs Spargelstechen suchen. Weil ich inzwischen kotzen muss, wenn ich lese, man solle die Krise auch als Chance begreifen. Außerdem gäbe es doch jetzt Lockerungen und juhu, das Wetter ist doch wieder schön! Nee, Leute. Dann jetzt doch ein paar Sätze von mir.
Veranstaltungen waren Mitte März das Erste, was verboten wurde und werden das Letzte sein, was wieder erlaubt werden wird. Dafür habe ich Verständnis und ich verzichte auch noch länger aufs Auftreten, wenn damit der Allgemeinheit geholfen ist. Die Folgen dessen spüren wir Kulturschaffenden schon jetzt, unser Publikum allerdings erst in einigen (vielen?) Monaten. Wenn nämlich Kultureinrichtungen sowie kreative Köpfe ihre (wenn überhaupt vorhandenen) finanziellen Rücklagen aufgebracht und ihren Beruf in der Kreativbranche aufgegeben haben. Für uns gibt es kein "Home Office". Wir können nicht in Kurzarbeit arbeiten. Wir können derzeit nicht das tun, was wir lieben. "Aber es gibt doch diese Soforthilfe!", habe ich häufig gehört in den letzten Tagen. Jein. Die 9.000€, die man für drei Monate als Solo-Selbstständige*r bewilligt bekommt, darf man nach aktuellem Stand nur für Betriebsausgaben verwenden. Die man als Bühnenkünstler*in quasi nicht hat. Miete, Strom, Wasser etc. stehen trotzdem Monat für Monat an und müssen irgendwie anders bezahlt werden.
Aktuell haben wir in der Regel ein Einkommen von NULL Euro im Monat und das wird auch noch so bleiben. Nicht, weil wir alle schlecht mit Geld umgehen oder zu doof zum Planen sind, sondern, weil unsere Existenzgrundlage gänzlich weggebrochen ist. Um das mal anhand von Zahlen darzulegen: Stand jetzt sind bereits rund VIERZIG Auftritte abgesagt, ich habe Ausfälle im hohen vierstelligen Bereich, bald ist der Umsatzausfall fünfstellig. Leider habe ich noch nicht mal eine goldene Badewanne, aus der ich singen könnte, um mir die Zeit zu vertreiben. Immerhin: Erste Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern (ausgerechnet!) sprechen nun von monatlichen Hilfen für uns. Ein erstes Entgegenkommen gegenüber einer Branche, der zuletzt von diversen Kultusminister*innen (!) geraten wurde, doch Grundsicherung, also Hartz IV zu beantragen, wenn wir Geld bräuchten.
Es ist ernüchternd, festzustellen, dass immer noch weite Teile der Bevölkerung nicht anerkennt, welche Arbeit Kulturschaffende leisten und wie stiefmütterlich wir behandelt werden. Uns alle trifft die Krise unvorbereitet, unverschuldet und gleichermaßen. Wir sind die, die euch sonst beruflich von eurem Alltag ablenken. Aktuell ist unserer geprägt von Ungewissheit, Ängsten und von der Sehnsucht, endlich wieder auf Bühnen stehen zu dürfen. Und deswegen brauchen wir euch und eure Unterstützung. Moralische sowie, falls euch möglich, finanzielle. Sagt den Bands, den Autor*innen, den Schauspieler*innen, den Musiker*innen und auch den Einrichtungen, dass ihr schätzt, was sie machen und euch darauf freut, wenn irgendwann wieder "Normalität" einkehrt. Kauft CDs, Bücher, T-Shirts, Eintrittskarten für Shows in ferner Zukunft und was weiß ich.
Wir wollen keine goldenen Badewannen und wir wollen auch nicht von euch durchgefüttert werden. Aber damit 2021 die Veranstaltungskalender nicht große Lücken aufweisen, brauchen wir euch jetzt. Wir werden es euch danken, mit Witzen, Texten, Songs, Bildern, Videos und allem, was uns so einfallen wird, wenn die Köpfe wieder frei sind von Sorgen.
Danke fürs Lesen.
Johannes Floehr, Autor
PS: Ich habe auch ein PayPal-Konto, über das ich gerne Spenden entgegennehme:
https://www.paypal.me/jfloehr
Jetzt gehts aber ab hier, lol. Die aktuellen Zahlen sind so niedrig, weil sich das komplette Land in einen Lockdown begeben hat und Gewohnheiten radikal umgestellt worden sind, keine Veranstaltungen stattgefunden haben, Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Restaurants und Geschäfte ebenfalls und und und, hast du ja vielleicht mitbekommen. Ja, die aktuelle Reproduktionszahl wird gefeiert, weil sie zeigt, dass die Maßnahmen greifen und der Virus sich nicht weiter unkontrolliert ausgebreitet hat. Ich zitiere hier mal den Soziologen Floris Biskamp:
"Die angekündigte Überforderung der Krankenhäuser blieb in Deutschland aus, ebenso die Schreckensszenarien mit zehntausenden Toten. Das zeigt, dass es sich bei den Lockdown-Maßnahmen der Bundesregierung um unnötige Panikreaktionen handelte.
Macht Sinn. Genau wie:
Ich habe kein Karies. Das zeigt, dass ich mit der jahrelangen Zähneputzerei auf die Panik-Propaganda der Zahnputzindustrie hereingefallen bin.
Köln wurde seit Jahren bei keinem Rheinhochwasser mehr überschwemmt. Das zeigt, dass die ganzen Hochwasserschutzmaßnahmen teurer Unsinn sind. Von dem Geld hätte man dem DLRG tausende Rettungsboote kaufen können.
Nachdem ich bei meinem Fahrradunfall neulich auf den Helm gefallen bin, hatte ich gar keinen Schädelbasisbruch. Das zeigt, dass ich den unbequemen Helm ganz umsonst getragen habe.
Bei den Buschbränden in Australien ist Sydney gar nicht abgebrannt. das zeigt, dass diese ganzen Feuerwehreinsätze unnötig waren.
Ich habe immer noch keine Kinder. Das zeigt, dass jahrelanges Verhüten unnötig war.
Ich habe letzte Nacht gar nicht gefroren. Also war es eine unnötige Panikaktion, dass ich mich unter eine Bettdecke gelegt habe."
Und ja, ich vertraue in diesem Fall Menschen, die sich ihr gesamtes Leben mit so etwas beschäftigen mehr als irgendwelchen Leuten im Internet. Kritisch sein finde ich immer gut, aber in Zeiten wie diesen kann man auch einfach mal die Schnauze halten und Fachleute machen lassen. (Wenn die Sterblichkeitsrate tatsächlich bei 0,37% liegen sollte und man davon ausgehen kann, dass sich in Deutschland irgendwann einmal einjeder infizieren sollte, dann wären das übrigens über 300.000 Tote. Abgesehen davon, dass der Grippe-Vergleich absoluter Quatsch ist, zu keinem Zeitpunkt lagen bei einer normalen Grippewelle so viele Menschen auf der Intensivstation wie aktuell. Was sagst du eigentlich zur Situation in anderen Ländern, wo öffentliche Gebäude und Parks zu Massengräbern werden, obwohl auch dort Maßnahmen zur Eindämmung vorgenommen wurden? Alles Panikmache? Sag das mal den hunderttausenden Verwandten und Freunden der bislang durch den Virus gestorbenen.)
Ich packe es mal hier rein: Auf YouTube gibt es jetzt immer samstags die "Retro-Sportschau" und in der heutigen Folge sind wir auch mit dabei.
https://www.youtube.com/watch?v=lbceKwkku74
Super, mal wieder, die Doku der "Sportschau":
https://www.youtube.com/watch?v=u5COhUeFRjc
Quintessenz für mich: Der Sport "Fußball" ist zu keiner Sekunde bedroht, nur das kaputte System, mit dem wenige Menschen sehr reich geworden sind.
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