vorwärtsblaurot
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Es ist einfach verrückt. Jetzt wird es total darauf ankommen, wie viel die gesicherten Gegner wie Saarbrücken, Magdeburg, Zwickau, Halle, Duisburg und Mannheim noch geben.Ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass der Abstieg erst am letzten Spieltag entschieden wird und dann auch noch vier Teams in der Verlosung sind (wenn nur Lübeck am nächsten Wochenende gewinnt). Ich bin allerdings irritiert, dass nicht schon am kommenden Wochenende alle Spiele zeitgleich stattfinden.
Wenn die weiterhin so konzentriert und hungrig bleiben, wovon ich ausgehe, dann werden wir kein Land sehen. Ich habe keinerlei Hoffnung mehr und rechne mit dem faktischen Abstieg am nächsten Wochenende.
Jetzt im Nachhinein wird die Diskrepanz zwischen Wiesinger und Krämer doch total offensichtlich. Der Weg des schnellen Erfolgs war, wie wir erfahren mussten, überhaupt nicht fundiert und nachhaltig, weil einfach nur ohne großen Sachverstand gezockt wurde. Das ging bis 2018 noch ganz gut, aber inzwischen kann man sagen, dass wir kläglich gescheitert sind.
Wo stehen wir jetzt - vier Jahre nach dem Aufstieg in die Regionalliga? Wieder genau da, wenn überhaupt. Haben wir uns in diesen vier Jahren sportlich weiterentwickelt zu einem Profiverein? Nein.
Ich will gar nicht daran denken, was hier möglich gewesen wäre, wenn man mal Leuten wie Wiesinger vertraut hätte. Wie hier geschrieben wurde, hat er eine vollkommen intakte Mannschaft geformt, die in jedem Spiel top eingestellt war. Das war einfach erfolgreicher Fußball und immer noch spektakulärer und schöner als unter Krämer in der 3. Liga, weil die Spieler wenigstens Fußball gespielt haben, wenn auch nicht zu offensiv. Die Mischung aus stabiler Defensive, Pressing und Offensivspiel war doch insgesamt ziemlich gesund. In Magdeburg brennt ein Titz auch kein Feuerwerk ab. Wiesinger wusste genau, welche Spieler er braucht und was er von seinen Spielern erwartet. Hätte man ihm einen kompetenten Sportdirektor an die Seite gestellt, wären wir locker spätestens 2019 oder 2020 aufgestiegen und hätten jetzt logischerweise den nächsten Schritt gemacht. Aber das war alles nicht gewollt (und vielleicht auch nicht möglich, weil so viel Geld eigentlich nicht investiert werden sollte) und für diesen Dilettantismus bekommen wir jetzt eben die bittere Quittung.
Wir könnten heilfroh sein, wenn wir jetzt im Sommer an einen Trainer der Marke Wiesinger kommen. Und was es ja noch schlimmer macht: Wiesinger hat sich hier richtig reingehangen und sich voll mit dem Projekt und dem KFC identifiziert. Der hat sich auch neben dem Platz um vieles gekümmert und wollte, dass der Verein vorankommt. Die Gier auf den schnellen Erfolg war halt größer, sodass man ihn entlassen hat. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die Serie von Krämer einfach einmalig war und Viktoria Köln auch reichlich mitgeholfen hat. Ansonsten hätten wir im Sommer 2018 mit Krämer in der RL da gestanden...
Alleine schon einen guten Sportdirektor zu finden, der dir einen wettbewerbsfähigen Kader zusammenstellt, wird so wichtig sein. Das ist schließlich die Basis. Noch ist in der Regionalliga offiziell nicht viel Bewegung im Transfermarkt, aber als Sportdirektor bist du eigentlich jetzt gerade schon dabei, mit den vielen Spielern, deren Vertrag ausläuft und die noch nicht genau wissen, wie es weitergeht, zu verhandeln und alle möglichen Optionen auszuloten. Grundlage dafür sind natürlich Wissen und Kontakte (Weinhart ist KEIN Beispiel dafür).
Man schaue sich nur mal bei anderen Regionalligisten um:
Rot-Weiss Essen: Jörn Nowak
Preußen Münster: Peter Niemeyer
Rot-Weiß Oberhausen: Patrick Bauder
Wuppertaler SV: Stephan Küsters
Alemannia Aachen: Martin Bader
Wir brauchen auch eine Persönlichkeit dieses Kalibers. Wer soll denn sonst die Verantwortung für die Kaderplanung übernehmen (in Zusammenarbeit mit dem Trainer)? Ein Armenier? Tatsächlich jemand wie Reisinger? Bitte nicht. Björn Schlicke wäre z.B. jemand, den ich mir vorstellen könnte, weil er jung und ambitioniert ist und in Schweinfurt bereits einiges angeschoben hat (https://www.kicker.de/schlicke_ich_will_vorankommen_und_nicht_nur_verwalter_sein_-781785/artikel). Vielleicht gibt es auch noch weitere junge Ex-Spieler, die gerade einen Einstiegsjob als Sportdirektor suchen (Typ Bauder, Nowak und Niemeyer).
Ganz abgesehen davon brauchen wir natürlich überhaupt erstmal eine sinnvolle Perspektive und Gesamtstrategie, damit wir überhaupt irgendjemanden davon überzeugen können, dass das Projekt KFC ab sofort wieder ein Attraktives ist. Es muss also in den nächsten ein, zwei Wochen Klarheit her, wie der Weg aussehen soll und wer die neuen Verantwortlichen dafür sind, damit dann noch im Mai und Juni an einem schlagkräftigen Kader und dem Organisatorischen gearbeitet werden kann.
Beide sollten nicht zu verbraucht sein, sondern eher noch jünger, motiviert und ambitioniert. Daneben müssen das zwei absolute Fachmänner sein, die für ihre Positionen qualifiziert genug sind und ihr Können auch bereits auf ähnlichem Niveau unter Beweis gestellt haben. Und sie müssen, wie schon geschrieben wurde, den Westen kennen, und zwar so richtig - von der U19-Bundesliga über die Oberligen bis in den Profifußball.
Wir brauchen Köpfe, die wirklich geil drauf sind, den KFC sportlich zu entwickeln und all ihre Ideen dafür einzubringen. Wir brauchen Köpfe, die mit jungen Spielern arbeiten und diese besser machen möchten. Wir brauchen Köpfe, die ein Netzwerk haben und wegen denen sich Spieler für uns entscheiden, selbst wenn sie woanders etwas mehr verdienen würden.
Alles andere wäre kein Fortschritt und würde uns dementsprechend auch (perspektivisch) nicht substanziell weiterbringen.
Und Halle lacht sich immer noch tot, dass wir Sven Müller nicht wollten. Die haben sich den direkt für zwei Jahre gesichert, weil die nicht blöd sind. Der Junge ist 25, top ausgebildet und hat denen in dieser Saison so einige Punkte gerettet, wie sich das für einen guten Drittliga-Torhüter gehört. Dagegen streiten sich bei uns Jurjus (holländischer Zweitligatorhüter) und Königshofer (längst kein Drittliga-Torhüter mehr vom Gesamtpaket) darum, wer schlechter ist.